Schneeeule seltener: Norwegens arktische Tundra verändert sich

Norwegen. Der Klimawandel ist in Nordnorwegen und auf Spitzbergen deutlich zu messen – und erste Folgen für Pflanzen- und Tierarten zu sehen. So wird es für Schneeeule und Polarfuchs in der Finnmark bereits eng.  Zu diesem Fazit kam eine 20-köpfige Forschergruppe unter Leitung des Norwegischen Polarinstituts, die im Auftrag der Umweltbehörde speziell die arktische Tundra in der Finnmark und auf Spitzbergen untersuchte. Der Bericht liegt nun vor.

Schneeeule

Die Schneeeule ist in der nördlichen Finnmark selten geworden. Foto Karl-Otto-Jakobsen/ NINA

Als arktische Tundra werden die Regionen bezeichnet, die aufgrund ihres kalten Klimas baumlos sind. Sie werden noch in fünf weitere Untergruppen unterteilt. Die nördlichsten Ausläufer Festland-Norwegens, Magerøya und die Halbinseln Sværholt, Nordkinn und Varanger, sind als niederarktische Tundra klassifiziert. Auf Spitzbergen gibt es drei Typen von Tundra – von der mittleren arktischen Zone bis zur Polarwüste. Bei den Klimadaten hatten die Forscher Messdaten bis zurück in die 1960er Jahre zur Verfügung. Bei den biologischen Indikator-Arten reichten die Messserien 15-20 Jahre zurück.

Weniger Schneeeulen und Polarfüchse an der Finnmark-Küste

Sowohl auf Spitzbergen als auch in der Finnmark sind die Temperaturen gestiegen, es liegt kürzer Schnee, die Vegetationsperiode ist länger und der Permafrost taut. Auf Spitzbergen sind die Durchschnittstemperaturen sogar noch mehr gestiegen als auf dem Festland. Trotzdem ist die Biologie auf dem Festland offenbar eher gefährdet, den Tundra-Charakter und typische Arten zu verlieren. So gibt es in den neuen Wintern mit häufigen Wechseln zwischen Schnee, Regen und Vereisung offenbar weniger Lemminge und seltener starke Lemming-Jahre. Infolgedessen sinkt auch die Zahl der Schneeeulen, die auf dieses Futter angewiesen sind. Gleiches gilt dort für die Polarfüchse, die außerdem noch das Problem haben, dass ihnen die Rotfüchse das Revier streitig machen. In der Finnmark grenzt die Tundra an die borealen Zonen, von dort können neue Arten von Pflanzen und Tieren schnell einwandern. Bioklimatisch sei die Finnmark auf dem Weg von der niederarktischen zur borealen Zone, so eine Folgerung des Berichts.

“Auf dem Weg zu neuen Verhältnissen in der Tundra”

Die abgelegene Inselwelt von Spitzbergen ist davor mehr geschützt, und es gibt nur wenige größere Tierarten, die dort überwintern: Das Rentier, der Polarfuchs, der dort nicht gefährdet ist und sich unter anderem von Rentierkadavern ernährt, und das Spitzbergen-Schneehuhn. Die bisherigen klimatischen Veränderungen haben unter anderem zu einer höheren Sterblichkeit des Spitzbergen-Rentiers geführt, das im Winter aufgrund von Eisschichten aus gefrorenem Regen nicht mehr an sein Futter kommt. Weniger Meereis erschwert auch den Wechsel zwischen den Weidegebieten.  Die Ökosysteme wurden in ihrer Funktion zwar noch als “gut” bewertet, sie seien aber deutlich auf einem Weg der Veränderung. “Wir sind auf dem Weg in ganz neue Verhältnisse für Tiere und Pflanzen in der Tundra”, so Projektleiterin Åshild Ønvik Pedersen vom norwegischen Polarinstitut.

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200 tote Rentiere auf Spitzbergen – verhungert wegen Klimawandel

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