Russisches Manöver vor Norwegens Küste

Norwegen/Russland. Die russische Nordflotte hat ein großes Manöver in der Norwegischen See begonnen – in internationalen Gewässern, aber vor der norwegischen Küste in der Höhe von Nordland und Troms. In Norwegen wird deshalb aktuell wieder das Verhältnis zum großen Nachbarn diskutiert.

Russisches Manöver

Angekündigte Gefechtsorte des russischen Manövers (nicht genau). Karte sel/stepmap

An der russischen Übung sind laut Verteidigungsmnisterium Schiffe, U-Boote und Flugzeuge beteiligt. Als „Notice to Airmen“ (NOTAM) wurden Schießübungen für vier Regionen angekündigt. Die Kriegsschiffe selbst sind auf Marine Traffic nicht zu sehen beziehungsweise nicht identifiziert. Zu verfolgen sind dort jedoch das Logistikschiff „Elbrus“ (Эльбрус) und der Schlepper „Nikolay Chiker“ (Николай Чикер).

Die aktuelle russische Übung wird in Norwegen als bedrohlicher angesehen als frühere Manöver – wegen ihrer Größe und des Ortes, an dem sie stattfindet. „Russische Militärübungen in der Barentssee und in arktischen Gewässern sind normal. Was neu ist nach 2018 sind  Schießübungen in der Norwegischen See, den Gewässern westlich und südlich des Nordkaps“ schreibt der Barents Observer. Im Herbst 2018 hielt nur wenig südlicher die NATO vor der norwegischen Küste das Manöver Trident Juncture ab, das größte seit Ende des kalten Krieges und so nahe wie schon lange nicht mehr an der russischen Grenze. Norwegen hat angekündigt, die russische Übung vor seiner Küste zu überwachen und hat dazu NATO-Hilfe bekommen, wie NRK berichtet: Drei amerikanische P8 Poseidon Flugzeuge sind dazu auf den Stützpunkt auf Andøya (Vesterålen) gekommen sowie ein kanadisches Überwachungsflugzeug.

Streitpunkt Globus-Radar

Vardö

Vardø (2017). Foto Dagmar Hemmie

Zuvor gab es schon weitere russische Übungen, die ungewöhnlich waren, und erst vor einer Woche machte Schlagzeilen, dass Russland das Küstenraketensystem Bal auf die Sredny-Halbinsel verlegt hat. Damit befindet sich dieses System nur 35 Kilometer von Grense Jakobselv und nur 65 Kilometer von Kirkenes entfernt. Angekündigt wurde bereits eine Übung damit im Herbst. Der Barents Observer erinnert in diesem Zusammenhang an das Globus-Radar in Vardø mit bester Sicht auf die Kola-Halbinsel. Dies ist Russland schon lange ein Dorn im Auge, und der Neubau Globus drei, noch größer als seine Vorgänger, erst recht. Dass es keineswegs nur der norwegische Geheimdienst ist, der die Daten zu sehen bekommt, ist bekannt.

Es geht nicht um Norwegen, sondern um die NATO

Norwegens Verteidigungsminister Frank Bakke-Jensen beklagte, Russland trete immer selbstbewusster in Gebieten auf, die nahe Norwegen liegen. Mit dieser Entwicklung sei Norwegen nicht zufrieden. NRK befragte dazu unter anderem eine Expertin des Norwegischen Instituts für Außenpolitik. Diese wies darauf hin, dass sich seit 2014 auch die norwegische Politik geändert habe. Dass Norwegen immer mehr amerikanische Präsenz im Norden zugelassen habe, habe zur Eskalation beigetragen. Russland sehe darin einen Bruch. Es gehe nicht um Norwegen, sondern um Norwegen als NATO im Norden.

„Großmachtsrivalität“

Der Chef der norwegischen Streitkräfte, Haakon Bruun-Hanssen, äußert sich in diesem  Punkt gegenüber NRK ähnlich: „Meine Einschätzung ist, dass diese Übung vor allem ein Signal an die USA und die NATO ist. Es ist ein Muster von Großmachtsrivalität, wie wir es von früher kennen. Norwegen ist nicht das Ziel, aber wir liegen geografisch im falschen Gebiet und könnten in eine potenzielle Konfrontation zwischen ihnen hineingezogen werden.“

Früherer Artikel zum Thema: 50 000 Soldaten zum NATO-Manöver Trident Juncture in Norwegen

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