Rezension: Into The Ice – ab 15. September im Kino

Überirdisch schöne Bilder vom Eis in Grönland, die man so noch nie gesehen hat. Dazu Spannung, Abenteuer, interessante Persönlichkeiten. All das bietet „Into The Ice“, ein über längere Zeit entstandener Dokumentarfilm des Dänen Lars Henrik Ostenfeld, der am 15. September in deutscher Fassung in die Kinos kommt. Das allein wäre schon ein Grund, den Film zu sehen. Aber nicht der einzige.

Filmposter Into The Ice

Filmposter Into The Ice

Wir alle kennen es: Wieder mal neue Hiobsbotschaften vom Zustand des Planeten. Schneller steigende Temperaturen, schneller steigender Meeresspiegel. Und während die Dürre in Deutschland und die Flut in Pakistan mit dramatischen Bildern belegt werden können, bleibt das schmelzende grönländische Eis seltsam abstrakt. Woher kommen diese Daten? Woher weiß man, was wirklich mit diesem riesigen Eispanzer los ist?

Sehr viele Daten kommen von Satelliten, aber nicht alles ist damit erfassbar. Ohne die Grundlagenforschung und Messungen direkt vor Ort lassen sich die Prozesse nicht verstehen. Davon handelt „Into The Ice“. Filmemacher Lars Henrik Ostenfeld folgt den Forschern Jason Box, Dorthe Dahl-Jensen und Alun Hubbard dorthin, wo sie ihre Daten holen. Diese Arbeit ist unbequem und teilweise lebensgefährlich. In der Zeit, in der der Film entsteht, stirbt der Schweizer Wissenschaftler Konrad „Konny“ Steffen, ein Pionier der Forschung auf dem grönländischen Inlandeis, in einer Gletscherspalte.

Woher kommen die Erkenntnisse über das Eis?

Die Frage, woher die Daten kommen, wird in „Into the Ice“ hinreichend beantwortet. Man lässt sich mit dem Hubschrauber auf dem Inlandeis absetzen, fährt dann tagelang Ski und gräbt irgendwo in Nichts eine Wetterstation unter dem Schnee aus, um da die Chipkarte herauszuholen. Dann muss man dummerweise noch schnell eine Schneemauer bauen, weil ein Sturm angesagt ist, den das Zelt möglicherweise nicht aushält. Und dann im Zelt den Sturm aushalten, so lange er eben dauert. Oder man bohrt in einem Camp, das fast buchstäblich am Ende der Welt liegt, mit einem Spezialgestänge ins Eis, 2500 Meter tief. In den Bohrkernen ist Luft aus vergangenen Jahrtausenden eingeschlossen, die analysiert werden kann. Dieser Datenschatz passt nicht auf einen Chip – dazu braucht es ein riesiges Lager.

Und wenn man einfach nicht weiß, was unten in einer Gletschermühle passiert, dann muss man eben hinuntersteigen. 180 Meter tief. Und wenn es nicht sicher genug ist, um all die Messungen zu machen, die man braucht, weil es zu warm ist und ständig Eisbrocken herabfallen, dann muss man eben noch einmal wiederkommen. Und noch einmal hinuntersteigen. Die Aufnahmen aus der Gletschermühle sind zweifellos die dramatischsten und gleichzeitig überirdisch schön.

Die Last der Erkenntnis

Dabei bekommt man mit, dass auf dem Eis längst nicht mehr alles so ist, wie es mal war.  „Wenn man erkennt, was hier vor sich geht beim Klimawandel, dann schläft man nachts nicht mehr ruhig“, sagt Jason Box. Er nennt es „die Last der Erkenntnis“ und das, was er beobachtet, eine „Katastrophe in Zeitlupe“. Ostenfeld nimmt uns mit, sodass wir sehen können, was die Wissenschaftler umtreibt. Fakt ist aber: Niemand kann heute noch sagen, er habe es nicht gewusst.

Der Film „Into The Ice“ hat am 15. September offiziellen Kinostart in Deutschland. In einigen Orten gibt es aber Previews schon ein paar Tage früher. In Berlin (17.9.) und Hamburg(18.9.) gibt es anschließend Bühnengesprächen mit Ostenfeld und Hubbard, in Leipzig mit Ostenfeld und dem Produzenten Stefan Kloos. Die deutsche Erzählerstimme ist übrigens Campino von den Toten Hosen.

Alle Previews, Kinostarts und Sonderveranstaltungen hier.

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Der Trailer zum Film:

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