Quarz und Kupfer oder Rentier und Fisch?

Norwegen. Erz, Kupfer, Quarz – Rohstoffe, die gefragt sind. Zwei geplante Projekte in Norwegen stehen aktuell aber besonders in der Kritik: Der Quarzabbau am Nasafjell und eine Kupfergrube am Repparfjorden.

Repparfjorden

Repparfjorden. Foto Helene Lind Jensen, Natur og Ungdom

Der Genehmigungsprozess für eine Kupfergrube der Nussir ASA am Repparfjord, Kommune Kvalsund in der Finnmark, ist fast abgeschlossen. Allerdings nutzt hier der Sameting all seine Macht, um das Vorhaben zu verhindern, und hat dafür sogar ein externe PR-Firma angeheuert, wie High North News berichtet. Neben der Grube selbst, die die Rentierhaltung einschränken würde, ist es die geplante Entsorgung des Grubenabfalls im Fjord, die nicht nur die Samen, sondern auch die Umweltschützer auf die Palme bringt. Die Organisation Natur og Ungdom (Natur und Jugend) hat ein Camp vor Ort veranstaltet, das  naturverträgliches und nachhaltiges Wirtschaften propagiert – es wird Rentierfleisch und Fisch serviert. Der Vorsitzende erklärte gegenüber NRK, er sei auch bereit, sich dort anzuketten. Auch der Naturschutzbund  (Naturvernforbundet) hat sich dagegen ausgesprochen.

Quarz und Kupfer

Die umstrittenen Bergbauvorhaben im Nasafjell und am Repparfjorden. Karte mit Hilfe von stepmap

Der Plan, im Nasafjell Quarz abzubauen, ist von den norwegischen Behörden bereits bewilligt worden. Hinter dem Vorhaben steht die Firma Elkem, einst ein traditionsreiches norwegisches Unternehmen, seit 2011 in chinesischer Hand. Elkem will das Quarz, das dort sein rein sein soll,  in seinen eigenen Werken in Norwegen für den Bau von Solarzellen verwenden. Das betroffene Gebiet liegt im Fylke Nordland, etwas südlich des Polarkreises und schließt direkt an den Nationalpark  Svartisen-Saltfjellet an. Durch das Nasafjell, schwedisch Nasafjäll, verläuft die Landesgrenze. Die Saltfjellet-Region ist Rentierzuchtgebiet. Auch schwedische Rentierhalter aus dem Grenzgebiet dürfen diese mit ihren Tieren nutzen.

Bisher hat Elkem mit den Rentierhaltern von beiderseits der Grenze keine Einigung erzielen können, wie es eigentlich im Genehmigungsverfahren vorgesehen war. Für diese bedeuten die Zerschneidung des Gebietes durch zwei offene Quarzgruben samt Zufahrten eine Einschränkung, die es für viele unmöglich machen werde, ihr Gewerbe überhaupt noch auszuüben – darüber berichtete NRK mehrfach. Elkem hat nun die Enteignung beantragt, darüber muss das Wirtschaftsministerium entscheiden. Mit Hinweis auf ihre Rechte als Urvolk haben die norwegischen und schwedischen Samen nun gemeinsam erklärt, über das Gebiet selbst zu bestimmen und den Bergbau nicht zuzulassen. „Es ist drastisch und dramatisch, die Selbstverwaltung zu erklären, aber es ist auch dramatisch, alles Leben hier zu zerstören für etwas, das nur wenige Jahre lang existieren soll“, zitiert NRK eine Sprecherin der Rentierhalter.

Arbeitsplätze, Rohstoffbedarf, „grønt skifte“, Nachhaltigkeit?

Bergbau bringt Arbeitsplätze und Steuereinnahmen in Kommunen, wo es oft wenig Alternativen gibt. Deshalb sind die Kommunen oft dafür. In einem Debattenbeitrag für High North News argumentiert ein Grubenchef außerdem, gerade für den „grønt skifte“, den „grünen Wechsel““, also beispielsweise Elektroautos, würde Rohstoffe wie Kupfer benötigt – und er sah Norwegen in der Pflicht, diese Autos nicht nur zu importieren, sondern auch das Kupfer abzubauen, das man habe, beispielsweise am Repparfjorden. Vertreter des norwegischen Naturschutzbundes widersprachen ihm im selben Medium: „Grüner Wechsel“ sei mehr als nur Elektroautos. Es gehe auch um einen nachhaltigeren Umgang mit den Ressourcen – und der sei am Repparfjorden nicht gegeben:  „Dort geht es darum, dass jährlich Millionen Tonnen feingemahlener Abfallprodukte inklusive Chemikalien, Schwermetalle und Mikroplastik weggekippt werden sollen. Und die sollen in einen der saubersten Fjorde gekippt werden, die wir haben.“ Das sei das Gegenteil davon, Verantwortung für die Zukunft zu übernehmen.

Alta-Kautokeino-Protest

Lasst den Fluss leben – Erinnerung an die Proteste gegen den Kraftwerksbau, die “ Alta-Kautokeino-Sache“, im Museum von Alta.

Bei Interessenkollisionen wie den gerade aufgeführten, zwischen samischer Lebensweise und Naturschutz auf der einen  und Industrie auf der anderen Seite, kommt früher oder später der Hinweis auf die „Alta-Sache„: Damals (1968-1982) leisteten Samen und Umweltschützer gemeinsam Widerstand gegen einen Staudamm und ein Wasserkraftwerk am Alta/Kautokeino -Fluss. Der Damm wurde gebaut, es setzte sich jedoch die Erkenntnis durch, dass den Samen mehr Mitbestimmungsmöglichkeiten über ihre eigenen Angelegenheiten zugestanden werden mussten. Angesichts des massiven Widerstandes des Sametings gegen das Nussir-Vorhaben am Repparfjorden gibt es inzwischen auch Politiker, die finden, die Samen hätte zu viel Macht.

Ein ähnlicher Konflikt wird in Schweden ausgetragen:

Norrbotten sagt Nein zu Grube in Kallak

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