Permafrost taut: Palsa-Krater in der Finnmarksvidda

Kautokeino (Norwegen). Was passiert, wenn der Permafrost in den nördlichen Mooren taut? Das gehört zu den großen Unbekannten in den Klimamodellen. Ein lokaler Jäger entdeckte nun in der Finnmarksvidda einen Krater mit zehn Meter Durchmesser – Reste eines eingestürzten Palsas. Das meldete NRK.

Palsamoor

Palsamoor, hier bei Enontekiö, Finnland. Foto SeppVei, gemeinfrei

Palsas bilden sich in sumpfigen Regionen mit Permafrost – in Sibirien und Nordamerika, aber auch in Nordschweden, Nordfinnland und Nordnorwegen. Das Wort stammt aus dem Samischen. Dabei handelt es sich um kleine oder größere rundliche Bodenerhebungen. Sie entwickeln sich durch eine bestimmte Konstellation von Frost und Bodenverhältnissen und können über Jahre wachsen und mehrere Meter hoch werden.  Sie bestehen aus eisreichem Torf und Eislinsen und tauen in den kurzen Sommern normalerweise nur leicht äußerlich an. Meist entstehen mehrere nebeneinander, man spricht von Palsamooren.

Wissenschaftler interessieren sich schon länger für diese Palsas und dafür, wie sie sich in einer wärmer werdenden Welt verhalten. Ein Forschungsprojekt des Norwegian Research Center dazu läuft in Karasjok. Wenn das Eis in dem Palsa taut, entsteht ein Hohlraum, und irgendwann stürzt das Gebilde ein. Wie auffällig das ist, hängt von ihrer Größe ab. Der von einem lokalen Jäger auf Multebeerensuche gefundene Krater war so groß, dass Menschen darin aufrecht stehen konnten. Bilder bei NRK zeigen außerdem Eisreste darin. Er liegt etwa 30 Kilometer von Kautokeino entfernt in der Finnmarksvidda. Der ortskundige Jäger geht davon aus, dass der Krater erst in diesem Sommer entstanden ist. In der Finnmark sind die Durchschnittstemperaturen in den vergangenen 100 Jahren um 1,5 Grad gestiegen.

Permafrost taut, Treibhausgase entweichen

Instabiler Boden mag schlimm genug sein, doch es gibt noch ein weiteres Problem. In den gefrorenen Mooren ist CO2 gebunden, das beim Auftauen je nach chemischem Prozess als CO2 oder Methan entweicht. Methan ist ein noch viel stärkeres Treibhausgas als CO2.

Kollabierende Palsamoore sind nur eine Variante, wie der Permafrost weicht. Kraterbildung und entweichende Klimagase sind jedoch immer dabei, wenn es um gefrorenes Moor geht. Nach den aktuellen Forschungen soll in den Permafrostböden noch etwa 1400 Gigatonnen Kohlenstoff gespeichert sein. In der Atmosphäre sind „erst“ 850 Gigatonnen. Der größte und bekannteste Krater als Folge tauenden Permafrosts ist der ostsibirische Batagaika-Krater. Auf der Jamal-Halbinsel wiederum bilden sich Methanblasen, die dann in einer Explosion entweichen. Andere Folgen sind verstärkte Erosion, auch an den Küsten. Orte in Kanada und Alaska müssen deshalb bereits umgesiedelt werden.

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