Oktober-Temperaturen: Kälter und wärmer als normal

Der Winter ist in diesem Jahr vergleichsweise früh am nördlichen Ende Europas angekommen. Kein Wunder: Die fennoskandische Halbinsel hatte einen kälteren Oktober als normal. Global gesehen war sie damit allerdings die Ausnahme.

Luleälv Eis

Eis auf dem Luleälv.

Der blaue Fleck auf der Vergleichskarte von Copernicus (siehe unten) bedeckt fast komplett die Landmasse zwischen Norwegischer See und Weißem Meer und reicht noch ein bisschen darüber hinaus. In der inneren Finnmark wurden am 28. Oktober an zwei Stellen  -27,2 Grad gemessen, auch die Durchschnittstemperaturen lagen in der Finnmark und in Troms tiefer als normal. In Nordschweden verzeichnete Pajala in der Nacht zu Dienstag mit -26,3 Grad den neuen Rekord zu Saisonbeginn, eine Nacht zuvor waren es schon -25, 8 Grad gewesen. Schnee liegt fast überall nördlich des Polarkreises.

Bis nach Spitzbergen reichte die Kältezone allerdings nicht: Dort lag die Durchschnittstemperatur nun im 107. Monat in Folge oberhalb der Durchschnitts von 1961-1990. Und auf den benachbarten Inseln von Franz-Josef-Land maß der russische Wetterdienst Roshydromet sogar acht Grad mehr. Ein Streifen mit überdurchschnittlich hohen Temperaturen zieht sich über Nordgrönland bis zur Beaufort- und zur Tschuktschensee. Das arktische Eis wächst in diesen Gegenden auch nur sehr langsam. Die gesamte Ausdehnung lag Ende Oktober nur knapp über dem Wert von 2016, dem niedrigsten Oktober überhaupt. Misst man nur den Zuwachs, war es der schlechteste Wert eines Oktobers seit Beginn der Messungen, meldet NSIDC.

Winter: Neue Möglichkeiten, neues Risiko

Der Winter bringt neue Möglichkeiten, aber auch Gefahren mit sich. Das Eis trägt noch nicht überall ausreichend. In der Finnmark brach ein Mann mit seinem Schneemobil im Kautokeinofluss ein und ertrank. Ein Schlittschuhläufer auf dem Nydalasjön bei Umeå landete im Wasser, konnte sich aber mit Hilfe seiner Ausrüstung wieder herausziehen. Die meisten Schlittschuhläufer auf Natureis haben um diese Jahreszeit Eisdornen (Isdubbar) dabei.

Es sind aber nicht nur Menschen, die die Tragfähigkeit des frühen Eises überschätzen: In Jokkmokk brachen zwei Elche ein, von denen Anlieger einen retten konnten. Und in Luleå hatte sich ein Reh zu weit auf den Tjuvholmssund gewagt. Rettungskräfte, die gerade in der Nähe mit dem Hydrokopter übten, brachen das Eis soweit auf, dass das Reh selbst  an Land schwimmen konnte.

Früherer Artikel zu Wetter und Klima: Nur 2012 war noch weniger Meereis in der Arktis

Anomalien der Oberflächentemperatur Oktober 2019. Quelle:ERA5/ Copernicus Climate Change Service/ECMWF

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