Nur noch sechs Kliniken für Geburten in Grönland

Grönland. Rund 56 000 Menschen leben zurzeit in Grönland. Ungefähr 800 Kinder werden dort pro Jahr geboren. Versammelt in einem Ort, würde dies für eine gut genutzte Geburtsabteilung reichen. Die Entfernungen sind jedoch weit auf der größten Insel der Welt – und aktuell gibt es nur sechs Krankenhäuser mit Kreißsaal.

Uumannaq

Uummannaq. Foto Thomas Christiansen

Vor gut einem Jahr schloss die Geburtsabteilung in Uummannaq.  KNR berichtet nun, wie unzufrieden die schwangeren Frauen damit sind. Sie müssen jetzt zur Geburt mindestens bis Ilulissat, wie auch alle, die nördlich davon wohnen. Vor sechs Jahren schloss bereits die Entbindungsstation in Maniitsoq. Frauen mit Risikoschwangerschaften werden gleich in die Hauptstadt Nuuk ins Dronning Ingrid Hospital geschickt, drei Wochen vor dem Termin. Die Reise und der Aufenthalt werden bezahlt – aber nur für  die Mutter und das Neugeborene. Problematisch ist dies vor allem für jene, die schon Kinder haben.

Schwangere auf deutschen Nordseeinseln kennen das Problem – trotz wesentlich günstigerer geografischer Verhältnisse. Auch im dünn besiedelten nördlichen Skandinavien sind die Wege zur nächsten Entbindungsstation weit. Im Frühjahr gab es in Kiruna eine Ausstellung „Vägen är inget BB“ , „Die Straße ist kein Kreißsaal“, zu all den Geburten, die auf dem Weg zum Krankenhaus in Gällivare stattfanden. In Nordnorwegen setzt man auch auf Flugzeuge – als es im Frühsommer Personalprobleme bei den Piloten gab, musste eine Schwangere in der Arztpraxis entbinden.

Dorf

Wer kümmert sich um die älteren Geschwister, wenn Mama zur Geburt im weit weg Krankenhaus ist? Foto Thomas Christiansen

In Grönland sind die Verkehrsverhältnisse noch viel schwieriger, schließlich gibt es nicht einmal Straßen. Die Frauen aus entfernteren Dörfern müssen sich deshalb schon vorab in der Geburtsklinik einfinden.  KNR erinnert daran, wie zu der starken Zentralisierung kam: Grönland hatte in den 1990er Jahren eine drei- bis vier mal so hohe Säuglingssterblichkeit wie andere nordische Länder. Bessere medizinische Standards sollten dies ändern. Entbunden wird deshalb nicht mehr in jeder kleinen Gesundheitsstation, sondern nur noch dort, wo auch Personal mit entsprechender Erfahrung zur Verfügung steht – auch für den Fall, dass ein Kaiserschnitt nötig wird.  Die Kehrseite dieses Systems ist Ärzten, Hebammen und auch Behörden wohl bewusst: Die Frauen sind in der fremden Umgebung mehr gestresst, machen sich Sorgen um daheimgebliebene Kinder, die möglicherweise nicht gut versorgt werden.  Nach der Statistik war das Konzept ein Erfolg: Die Säuglingssterblichkeit sank laut KNR von einem Durchschnitt von 19,6 Fällen auf 1000 Geburten in der Zeit 1996-2000 auf 13,8 im Jahr 2014. 2016 waren es laut Statistik noch 11,5 bei Jungen und nur 2,5 bei Mädchen.

 

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