Meeresobservatorium ohne Daten: Seekabel verschwunden

Norwegen. Dem Lofoten-Vesterålen Meeresobservatorium fehlen 4,2 Kilometer Kabel. Nicht irgendwo an Land, sondern auf 300 Metern Tiefe. Ein zehn Tonnen schweres Seekabel, das eigentlich zwei Knotenpunkte verband und Daten liefern sollte. Das Observatorium ist deshalb zurzeit außer Betrieb – und von dem Kabel fehlt jede Spur. Darüber berichtete NRK.

Fisch

Früheres Foto der Kamera von Knotenpunkt 1. Quelle LoVeOcean

Das Lofoten-Vesterålen Meeresobservatorium, kurz LoVeOcean, ist eine Einrichtung des norwegischen Meeresforschungsinstitutes gemeinsam mit mehreren Partnern. Es handelt sich um ein Netz aus Sensoren vor der Küste der Vesterålen und Lofoten, die die unterschiedlichsten Dinge unter Wasser messen und beobachten. Fünf Knotenpunkte sind miteinander über insgesamt 66 Kilometer Kabel verbunden und liefern die Daten an die Zentrale an Land in Bø auf den Vesterålen. LoVeOcean war erst 2020 in seiner heutigen Form eingeweiht worden.  Seit dem 3. April kommt von See nichts mehr – und es dauerte ein halbes Jahr, bis die Wissenschaftler herausgefunden hatten, warum. Erst als sie mit ferngesteuerten Unterwasserfahrzeugen ihr Netz überprüfen ließen, stießen sie auf die Lösung:  Das Kabel zwischen den Knotenpunkten 2 und 3 war herausgerissen und verschwunden. Damit wurde das gesamte Netz ausgeschlagen, und die Bildschirme der Wissenschaftler blieben schwarz.

Ursache für Störung gefunden, aber keine Erklärung

Seekabel Verlegung

Verlegung des Kabels 2018. Foto LoVeOcean

Die Ursache für das technische Problem ist nun gefunden.  Das Meeresforschungsinstitut will nun zunächst die landnäheren Knotenpunkte wieder anschließen. Die Reparatur wird teuer.  Doch daneben bleibt ein Rätsel: Wer hat die 4,2 Kilometer Kabel entfernt, wozu auch viel Kraft nötig war, und warum? Es könnte sich um einen Unfall handeln – in dieser Gegend sind schließlich viele Trawler unterwegs. Das betreffende Schiff könnte sich dann einfach stillschweigend aus dem Staub gemacht haben.

Unfall oder Absicht?

Doch es gibt auch andere Erklärungsansätze und Spekulationen. So sind die Daten, die LoVeOcean vor der Küste sammelt,  praktisch in Echtzeit öffentlich zugänglich. Die Forscher interessieren sich für Fischschwärme, Korallen, Wassertemperatur, Licht und chemische Verbindungen. Über das Echolot fangen sie aber auch Geräusche auf, die nicht immer nur von Meeresbewohnern stammen, sondern auch von Schiffen. Das Forschungsinstitut der norwegischen Streitkräfte „reinigt“ alle Aufnahmen von Spuren, die etwas über militärische Aktivitäten verraten könnten, zum Beispiel passierende U-Boote. Wollte jemand nicht beobachtet werden? Der Kabeldiebstahl wurde deshalb nicht nur bei der Polizei angezeigt, sondern auch dem Nachrichtendienst gemeldet.

Oder war doch alles ganz anders? Die neueste Theorie auf NRK: Es war ein Riesenkalmar.

Früherer Artikel zur Region: Süßwasserreservoir unter dem Meer vor der Lofotenküste

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