Luleå testet die nördlichste Elektrobuslinie der Welt

Luleå (Schweden). Auf einen richtig kalten Winter hofft eine Gruppe Forscher der Technischen Universität im nordschwedischen Luleå. Denn seit kurzem fahren dort zwei Elektrobusse im Linienverkehr der Stadt – und da möchte man doch wissen, wie gut sie mit Kälte klar kommen.  Die Stromquelle fließt quasi mitten durch die Stadt: Wasserkraft vom Luleälv.

Elektrobus

Elektrobus in Luleå

Die „normalen“ Stadtbusse in  Luleå sind rot. Die neuen Elektrobusse, beide als Linie 6 unterwegs, fahren dagegen mit Wellen-Design. Hersteller der Busse ist das finnische Unternehmen Linkker. An den beiden Endhaltestellen können sie aufladen, das soll nur zwei bis sechs Minuten dauern. Außerdem gibt es ein mobiles Ladegerät, falls es einmal Probleme mit einer Station geben sollte. Der Elektrobus versorgt sogar seine Fahrgäste mit Steckdosen und WLan. Drei weitere  Busse werden noch vor dem Jahreswechsel in Luleå erwartet. Ziel der Kommune ist es, dass der ÖPNV bis 2020 zu 75 Prozent ohne fossile Brennstoffe fährt, heißt es auf der Internetseite zum Projekt. Die Kommune Luleå hat rund 77 000 Einwohner, davon leben etwa 44 000 im Stadtgebiet.

Kälte kein Problem?

Viele Autofahrer haben schon erlebt, dass ihre Batterie bei Kälte in die Knie ging. Die Durchschnittstemperatur für Luleå liegt im Januar und Februar um die minus 10 Grad. Das Fahrzeug sei entsprechend ausgeschrieben worden, so die Projektverantwortliche auf die Frage nach der Kälte zu SVT. Wissenschaftler der örtlichen Technischen Universität wollen das Projekt begleiten und hoffen deshalb, dass noch viel kälter wird, damit das System auch ordentlich getestet wird. Immerhin handelt es sich dabei um die aktuell nördlichste Linie überhaupt mit frei fahrenden Elektrobussen. Im russischen Murmansk fahren schon seit Jahrzehnten Busse mit Elektroantrieb, allerdings mit Oberleitung (Trolleybusse).

Der Luleälv deckt rund zehn Prozent von Schwedens Energiebedarf

Kraftwerk

Eins der kleineren: Kraftwerk Akkats, Lilla Luleälv, bei Jokkmokk. Die Bilder stammen von dem samischen Künstler Bengt Lindström

Dass Luleå seine Busse mit Wasserkraft betreibt, hat eine gewisse Logik: Der Fluss der Stadt, Luleälv, ist nach dem Götaälv der zweimächtigste Fluss des Landes und deckt allein rund zehn Prozent von Schwedens Energiebedarf. Dafür wurde er über Jahrzehnte ausgebaut: Das erste Wasserkraftwerk entstand in Porjus und wurde 1915 offiziell eingeweiht. Es sollte den Energiebedarf der Gruben in Malmberget und Kiruna sowie der neuen Eisenbahn decken. Bis 1980 entstanden große Dämme und Stauseen und insgesamt 15 Wasserkraftwerke, teilweise durchaus umstritten, weil dazu auch in den Nationalpark  Stora Sjöfallet eingegriffen wurde und Lebensraum der Samen verschwand. Ein vielseitiges Portrait des Flusses von seinen Ursprungsgebieten in den Bergen, der Vereinigung von Lilla Luleälv und Stora Luleälv  und dem Weg zum Meer inklusive des Kraftwerk-Ausbaus bietet das Buch „Luleälven – Möten i norr“ von Sten Bergström und Mats Andréasson mit Fotos von Mikael Svensson von 2015 (auf Schwedisch).

Heute ist vorhandene Wasserkraft auch ein Argument für die Ansiedlung energieintensiver Industrie in Nordschweden – so wie die Serverhallen von Facebook in  Luleå. Doch es gibt auch noch vier große Flüsse in Schweden, die unreguliert fließen dürfen: Der mächtigste ist der Torneälv, außerdem Kalix-, Pite- und Vindelälv.

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