Lawinengefahr – neues System zur Risikoabschätzung

Norwegen. Jedes Jahr sterben in Norwegen Menschen während einer Skitour durch Lawinen. Die zuständige Behörde will Wintersportlern nun noch ein Werkzeug mehr in die Hand geben, um das Risiko der geplanten Route besser einzuschätzen: „KART“

Gipfel

Steile Gipfel sind dekorativ – manchmal aber auch gefährlich (hier: Vesterålen).

Gerade ist es wieder passiert: Vier erfahrene Wintersportler, drei Finnen und eine Schwedin, gerieten am Mittwoch Nachmittag am Blåbærfjellet im Tamokdalen (Region Troms) in eine Lawine. Das fünfte Gruppenmitglied , ein Schwede, hatte sich kurz zuvor von ihnen getrennt und war einen anderen Weg gegangen. Er hatte die Polizei alarmiert, nachdem er Lawinen in dem Gebiet beobachtet hatte und keinen Kontakt mehr zu seinen Bekannten bekommen hatte. Über den Fall berichtete NRK.

Aufgrund der hohen Lawinengefahr in dem Gebiet konnte zunächst nur mit Helikoptern gesucht werden, um nicht noch mehr Leute in Gefahr zu bringen. Es war viel Neuschnee gefallen, dazu war es windig und es gab Schneeverwehungen. Auf der fünfstufigen Warnskala wurde die Region vom zuständigen Dienst auf varsom. no von drei auf vier hochgestuft. Die Helikoptersuche brachte keinen Erfolg. Erst am Freitag vormittag konnten sich Suchmannschaften direkt auf den Weg machen. Es gibt Signale von zwei Lawinenmeldern. Doch die Chancen, die Vermissten noch lebend zu finden, sind praktisch null. Vergangenes Jahr starben drei Menschen durch Lawinen: zwei in der Region Troms und einer auf den Lofoten.

Informationen zur Lawinengefahr

Die Lawinengefahr aufgrund der Wetterlage und Schneesituation wird in Norwegen auf varsom. no veröffentlich (norwegisch und englisch). Doch letztlich ist es die Geländeform, die aus einem Risiko eine Lawine macht –  erst ab 30 Grad Hangneigung können sich die besonders gefährlichen Schneebrettlawinen lösen. Auf der „Bratthetskart“ der zuständigen Behörde (Norges Energi- og Vassdragsdirektoratet, NVE) ist markiert, wo es besonders steil ist. Diese Karte gibt es seit 2017 auch als App (regObs), über die man auch noch die Beobachtungen anderer lesen und selbst welche eingeben kann. Die Karte ist selbsterklärend, die Kommentare norwegisch.

Neues Klassifizierungssystem

Nun sollen Wintersportler ihre Tour mit Blick auf das Lawinenrisiko noch besser planen können: NVE führt nun ein System ein, dass das Gelände speziell auf diese Gefahr hin klassifiziert. KAST, Klassifisering av snøskredterreng, ist die norwegische Version des kanadischen Systems ATES (Avalanche Terrain Exposure Scale), das in der Literatur bereits benutzt wird. Geländeformen werden dabei von „0 = kein Lawinengebiet“ bis „3 = komplexe Lawinensituation“ eingeteilt. Nun sollen beliebte Touren im Laufe des Winters speziell nach diesen Kriterien eingeteilt werden – zuerst aus dem Romsdalen, Troms und den Lofoten. Die Touren sollen bei varsom. no und über die regObs-App präsentiert werden.

Früherer Artikel zum Thema:

Vorsicht Lawinen – Prognosen werden ausgeweitet

Wie messe ich, ob ein Hang 30 Grad Neigung hat? (Norwegisch, aber auch durch die Gesten recht verständlich). Deutsche Version der Skistock-Methode hier.

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