Krimi um grönländische Schlittenhunde

Grönland. Der grönländische Schlittenhund ist nicht irgendein Tier. Er ist ein nationales Symbol für sein Land, höchstens noch vergleichbar mit dem Islandpferd – und für ihn gibt es ebenso strenge Regeln. Die „Schlittenhundesache“, der vermutete Versuch einer Kreuzung, erregte deshalb landesweit Aufmerksamkeit. Darüber berichtete KNR.

Schlitten

Warten auf den Schnee: Schlitten und Hund im Sommer. Foto Thomas Christiansen

Es gibt auch andere Hunde in Grönland, aber nur an der Westküste südlich des 66. Breitengrades – der gemäßigten Zone, falls man in Grönland von so einer sprechen kann. Nördlich davon und an der Ostküste bis Kap Farvel darf es nur Schlittenhunde geben, die wiederum anderswo nicht sein dürfen. Doch selbst in einem Land ohne Straßen lässt sich diese Zonenaufteilung umgehen. Der grönländische Schlittenhundefahrerverband schloss im Herbst 2018 sämtliche 321 Hunde aus Qeqertarsuaq und Kangerluk von der kommenden Meisterschaft im Schlittenhunderennen (Avannaata Qimussersua) aus. Es gab den Verdacht, dass jemand Hunde einer anderen Rasse nach Qeqertarsuaq nördlich des Polarkreises eingeführt und dort damit gezüchtet hatte.

Was den grönländischen Schlittenhund auszeichnet, ist nicht (nur) die Optik, sondern seine einzigartige Fähigkeit, mit den dortigen Wetterbedingungen zurecht zu kommen. Hunde vor dem Schlitten boten den Inuit jahrhundertelang die Möglichkeit zur Jagd und zur Fortbewegung über weit größere Strecken und in einem anderen Tempo als ein einfacher Skiläufer und sicherten so ihr Überleben.

Erste DNA-Analyse grönländischer Schlittenhunde

Warum sollte jemand diese Eigenschaften durch Kreuzung mit anderen verwässern wollen? Weil man in Grönland nicht nur Wert auf reinrassige Schlittenhunde, sondern auch auf Datenschutz legt, gab es kein Zeitungsinterview mit dem experimentierfreudigen Züchter. Die Fakten: Anhand der Optik allein waren Unterschiede wohl nicht auszumachen. Es wurden DNA-Proben genommen, deren Analyse einige Zeit dauerte, denn das Genom des grönländischen Schlittenhundes war bisher nicht entschlüsselt. Die Analysen wurden beim Projekt Qimmeq durchgeführt, das sich dem Erhalt der grönländischen Schlittenhunde widmet.

Schlittenhund

Schlittenhunde-Welpen. Foto Pixabay

Es gab ein Resultat, das aber nicht öffentlich gemacht wurde. Und dann meldete KNR, dass die beiden Hunde, bei denen der Verdacht bestand, nicht reinrassig zu sein, auf Wunsch des Eigentümers eingeschläfert wurden. Es handelte sich um eine Hündin und eine Welpe. Der Besitzer muss möglicherweise noch eine Strafe zahlen. Wobei sein Gesetzesverstoß in der Einfuhr der fremden Rasse besteht, nicht in der Kreuzung – die ist bisher gar nicht explizit geregelt, weil sie durch die Zonenregelung ja auch gar nicht möglich wäre.

Vom Gebrauchshund zum Rennhund?

Warum nun versuchte sich jemand offenbar an einer Kreuzung?  Hier kann man nur spekulieren. Vielleicht deshalb: Der grönländische Schlittenhund ist der perfekte Gebrauchshund für grönländische Verhältnisse, und durchaus flott unterwegs. Die Schlittenhunde, mit denen heute in Alaska (Iditarod) oder Norwegen (Finnmarksløpet) Rennen gefahren werden, sind aber speziell dafür gezüchtet und schneller – reinrassige Polarhunde kommen da nicht mit. In einer Zeit, in der auch in Grönland Schlittenhunde zunehmend aus sportlichen Zwecken und nicht für die Jagd oder den reinen Transport gehalten werden, könnte es durchaus sein, dass jemand andere Prioritäten setzte als die Bewahrung der Grönlandhund-Genetik.

Früherer Artikel zum Thema: Forscher widmen sich Grönlands Schlittenhunde-Kultur

Aus dem Qimmeq-Projekt: Schlittenhunderennen

SUKKANIUNNEQ / THE RACE from Natural History Museum Denmark on Vimeo.

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