Kein langer Winter: Bottenwiek wieder ziemlich eisfrei

Schweden/Finnland. Ende Januar sah es noch nach einem ordentlichen Eiswinter für das nördliche Ende der Ostsee aus. Ein paar Stürme und frühlingshafte Temperaturen haben das geändert. Ein großer Teil der Bottenwiek ist wieder eisfrei. Einige der schwedischen Eisbrecher liegt schon wieder im Hafen.

Ratan

Ostsee bei Ratan, 26. Februar.

„Es ist Februar, aber es fühlt sich mehr wie April an“, zitiert Svenska Yle einen Mitarbeiter der finnischen Küstenwache. Das Eis bei Kvarken sei ungewöhnlich schlecht für diese Jahreszeit. Im äußeren Schärengarten gebe es gar kein Eis mehr, innen stehe viel Wasser darauf. Selbst wenn das Eis noch halte, sei es schwer, darauf Scooter oder Auto zu fahren. Kvarken ist die Stelle in der nördlichen Ostsee, wo sich Schweden und Finnland besonders nahe kommen, ungefähr zwischen Umeå und Vaasa. Von der schwedischen Seite aus kann man bei Kvarken und in der südlichen Bottenwiek an vielen Stellen schon wieder offenes Wasser sehen.

Kalter Januar ließ das Eis wachsen

Anfang Februar war die gesamte Bottenwiek inklusive Kvarken  mit Eis bedeckt gewesen. Bereits Ende Januar hatte Finnland seinen fünften Eisbrecher aus dem Depot in Helsinki in den Norden geschickt, zwei Wochen früher als im Vorjahr. Die schwedischen liegen ohnehin in Luleå. Der Januar war ziemlich kalt gewesen, häufig unter -20 Grad, das zog sich bis in den Februar hinein. Im Schärengarten von Luleå und eröffneten die Eisstraßen, offizielle, von der Kommune gepflegte und kontrollierte Verbindungen auf einige Inseln.

Eisstraße

Eisstraße nach Sandön, Luleå.

Kräftige Stürme brachten alles, was nicht fest mit dem Land verbunden oder von Inseln geschützt ist, in Bewegung. Das Eis häuft sich nun auf der finnischen Seite, wie die Eiskarte zeigt, während auf der schwedischen fast nur noch das feste Küsteneis im Norden und bei Holmön blieb. Schiffe, die finnische Häfen anlaufen wollen, brauchen deshalb weiter starke Eisbrecher-Hilfe. Auf der schwedischen Seite liegen einige Eisbrecher dagegen schon wieder im Hafen.

Temperaturrekorde jenseits des Polarkreises

Frühlingshafte Temperaturen über mehrere Tage samt viel Sonnenschein ließen Eis und Schnee außerdem überall tauen. In Gällivare, Kvikkjokk-Årrenjarka, Jäkkvik und Naimakka, alle nahe oder jenseits des Polarkreises, fielen am Samstag die Temperaturrekorde für Februar. Am wärmsten war Kvikkjokk-Årrenjarka mit 9,1 Grad, Dort wird seit 1888 Temperatur aufgezeichnet, seit 1917 auch das Maximum.  Und selbst wenn Ende der Woche auch wieder Minusgrade angesagt sind: Die Sonne steht inzwischen schon rund zehn Stunden am Himmel und hat Kraft. Ein „harter Eiswinter“ wird das nicht mehr – vermutlich nicht einmal mehr ein „normaler“.

Harte Eiswinter nehmen ab

Der letzte harte Eiswinter war 2011: Zur Zeit der größten Bedeckung, fast auf den Tag genau vor acht Jahren, war nicht nur die Bottenwiek, sondern der gesammte Bottnische Meerbusen, der Finnische Meerbusen und sogar Teile der zentralen Ostsee von Eis bedeckt. 2018 galt als „normaler Eiswinter“ mit Eisbedeckung über die Bottenwiek hinaus, davor gab es viele „milde“.  Extreme Schwankungen in der Ausdehnung des Ostsee-Eises hat es schon immer gegeben, wie die Aufzeichnungen des schwedischen meteorologischen Instituts (SMHI) seit 1900 zeigen. In den vergangenen Jahrzehnten sind allerdings weniger „richtig harte“ Winter verzeichnet. Die maximale Ausdehnung allein sagt noch nichts darüber aus, wie lange das Eis auch so geblieben ist. Das Institut rechnet in Zukunft mit durchschnittlich weniger Eis, aber nicht mit einer komplett eisfreien Ostsee.

Das Eis in den nördlichen Schären ist dank der langen Frostphase so dick, dass Eisstraßen und Eisbahn  in Luleå aktuell trotz der Plusgrade weiter genutzt werden können. Mehr zu Eis: Eiszeit in Luleå

Aus den Aufzeichnungen des SMHI: Die Ausbreitung des Ostseeeises nach Quadratmetern seit 1900. Die blauen Balken zeigen die jeweiligen 10er-Jahre an.

 

 

 

 

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