Kein Eiserner Vorhang auf Spitzbergen

Spitzbergen (Norwegen).  Nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine ist innerhalb kürzester Zeit ein neuer Eiserner Vorhang aufgekommen – Westländer versuchen sich von Verbindungen mit Russland zu lösen, soweit das eben geht. Auf Spitzbergen geht es nicht. Außerdem ist der Sonderstatus der Inselgruppe zu berücksichtigen.

Seilbahn Kohle Spitzbergen

Historische Seilbahn für den Kohletransport, Longyearbyen, Spitzbergen. Foto: Marius Fiskum / www.fototopia.no

Spitzbergen ist kein normales norwegisches Territorium. Aufgrund des Spitzbergenvertrags darf Russland dort Bergbau betreiben. In Barentsburg wird noch gearbeitet, das verlassene Dorf Pyramiden ist eine Touristenattraktion. Auch im Kalten Krieg gab es diese Siedlungen. Spitzbergen ist auch nicht Teil des Nato-Territoriums.

Wie die meisten anderen westeuropäischen Länder hat Norwegen seinen Luftraum nach dem Angriff für russische Flugzeuge geschlossen. Das gilt auch für Spitzbergen und Jan Mayen. Eine Ausnahme gibt es jedoch für die lokalen Helikopterflüge der russischen Bergbaufirma Trust Arktikugol, obwohl sie im Besitz des russische Staates ist: Die Ausnahme werde aufgrund der speziellen Verhältnisse auf Spitzbergen erteilt, so die norwegische Regierung. Denn es gibt keine Straßenverbindungen zwischen Longyearbyen, Barentsburg und Pyramiden. Eine Ausnahme kann es auch für Arktikugols Flüge nach Russland geben, zum Beispiel für heimreisendes Personal. Diese müssen aber beantragt werden. In der russischen Grube arbeiten auch Ukrainer.

Kein Boykott auf Spitzbergen

Wie Svalbardposten und spitzbergen.de berichten, gab es Forderungen, keine Touren mehr nach Barentsburg und Pyramiden anzubieten. Dies wird jedoch vom Spitzbergener Tourismusverband abgelehnt, da ein solcher Boykott auf der Inselgruppe nur die Angestellten treffen würde. Die Grube gilt ohnehin als Verlustgeschäft. Barentsburg und Pyramiden sind außerdem beliebte Touristenziele. „Das gute Verhältnis zwischen Longyearbyen und Barentsburg muss unabhängig davon bleiben, dass das russische politische Regime die Ukraine anzündet“, fordert auch der Svalbardposten-Chefredakteur im Leitartikel. “ Er begründet es zudem mit der abgelegenen Lage der kleinen Inselgemeinschaft: „Wenn man nahe am Nordpol wohnt, sind alle voneinander abhängig.“

Als der Spitzbergenvertrag vor gut 100 Jahren geschlossen wurde, betrieben dort noch mehrere Staaten und Unternehmen Bergbau. Übriggeblieben sind nur Russland und Norwegen – und Norwegen will kommendes Jahr auch seine letzte Grube schließen. Die Svea-Grube ist schon rückgebaut. Die noch im Berg vorhandene Kohle soll nicht mehr verwendet werden. Gleichzeitig stellt Norwegen immer mehr Landgebiete unter Schutz und hebt die Hürden für den ortsansässigen Tourismus.

Reicht Tourismus?

Was zunächst wie eine sinnvolle Schutzmaßnahme für die Inselgruppe klingt, könnte aber auch unerwünschte Konsequenzen haben. Der Spitzbergenvertrag und die dazu gehörende Bergwerksordnung knüpfen die Rechte auf Spitzbergen stark an die ökonomische Tätigkeit. Vor dem Hintergrund der neuen Bedingungen gibt es zumindest Fragen, inwieweit diese von Seiten Norwegens noch erfüllt sind. Svalbardposten – Leser argumentieren: Das ist nicht die Zeit für Experimente mit dem Spitzbergen-Vertrag.

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