Jagd auf Delfine wird für die Färöer zur PR-Katastrophe

Färöer. 210 Weißseitendelfine wurden am Dienstag in die Bucht von Hvalvik auf den Färöer getrieben und getötet. Diesmal ging nicht alles glatt – das zeigte das Video eines Sea-Shepherd-Aktivisten, das unter anderem von der britischen Daily Mail veröffentlich wurde. Eine aktuelle Umfrage unter Färingern danach ergab, dass es keine Mehrheit mehr für die Jagd auf Delfine gibt – für die Jagd auf Pilotwale aber schon.

Delfine

Tote Weißseitendelfine auf den Färöer (Wikimedia-Archiv). Foto Erik Christensen, CC BY-SA 3.0

Der Weißseitendelfin gehört zu den Kurzschnauzdelfinen, auf Färöisch heißt er „springari“. Dass er auf den Färöer gejagt wird, ist möglicherweise weniger bekannt als die „grindadráp“, die Pilotwaljagd, aber nicht weniger blutig. Das Schlachtgeschäft in den Buchten ist eigentlich streng reguliert, es darf dafür nur noch ein spezielles Werkzeug benutzt werden, das Rückenmark und Halsschlagader durchtrennt. In dem gefilmten Fall jedoch mühte sich jemand offenbar mit einem normalen Messer ab, und das war nicht nur blutig, sondern dauerte auch  lange.

Berichte von schockierten Beobachtern eines Schlachtgeschehens  gibt es immer wieder – angesichts des jüngsten Videos wird nun aber auch auf den Färöer selbst diskutiert. Zum einen geht es dabei um die strengen Standards, die dem Tier unnötig langes Leiden ersparen sollten und die in diesem Fall offenbar nicht eingehalten wurden. Zum anderen ist der Rückhalt für die Jagd, zumindest die auf Delfine, stark gesunken – das zeigt eine Umfrage, die nach der jüngsten Aktion im Auftrag des Färöischen Fernsehens (Kringvarp Forøya) durchgeführt wurde.

Pilotwal Wal

Pilotwal (Archiv)

Befragt wurden 400 Erwachsene auf der gesamten Inselgruppe. Nur noch rund ein Drittel  waren dafür, dass Delfine gejagt und getötet werden. 47 Prozent sprachen sich dagegen aus, 18 Prozent hatten dazu keine Meinung. 85 Prozent sprachen sich aber für die Fortsetzung der Jagd auf Pilotwale aus. Das korrespondiert auch mit den Essgewohnheiten: 40 Prozent haben noch nie Delfinfleisch gegessen. Der Anteil derjenigen, die selten oder gar keinen Pilotwal essen, liegt bei 29 Prozent. Und gut ein Drittel isst alle zwei Monate oder häufiger Wal.

Dabei sind Bewohner der Hauptstadt häufiger für einen Jagdstopp als Menschen vom Land, und mehr Frauen verzichten komplett auf Walfleisch. Letzteres dürfte auch mit der Warnung vor dem hohen Quecksilbergehalt zu tun haben, insbesondere während der Schwangerschaft.

Bei der Umfrage gab die große Mehrheit der Jagdgegner an, dass es einfach unnötig sei. Bei der Jagd auf die Delfine spielte die internationale Meinung aber eine größere Rolle. Ein Politiker äußerte sich inzwischen kritisch zur Delfinjagd – weil „Delfine bei Kindern auf der ganzen Welt beliebt sind“, Kinder, die doch den färöischen Fisch essen sollen, das verschaffe dem Land ein schlechtes Image (in Dagur.fo). Und ein Kommunikationsberater bezeichnete es im Fernsehen als „PR-Katastrophe„.

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