Island: Gletscherlauf an der Skaftá hat begonnen

Island. Skaftárjökull leert mal wieder seinen Kessel aus – und füllt den Fluss Skaftá. Der Gletscherlauf begann gestern mit Schwefelgeruch, stärkerer elektrischer Leitfähigkeit und wachsendem Wasserfluss an der Messstelle Sveinstindur. Die Wissenschaftler des Meteorologischen Instituts erwarten zwar kein sehr starkes Ereignis. Reisende in der Region sollten aber trotzdem vorsichtig sein.

Gletscherlauf Skaftá

Lauf der Skaftá vom Gletscher bis ins Meer mit möglichen Überschwemmungsgebieten. Quelle Veðurstofa Íslands

Skaftárjökull ist ein Auslassgletscher im Südwesten des Vatnajökull, nicht zu verwechseln mit dem bekannten Skaftafellsjökull  im Süden. Unter dem Skaftárjökull befindet sich ein geothermisches Gebiet, die Skaftárkatlar, mit zwei Schmelzkesseln, also Becken unter dem Gletscher, in denen sich das von der Wärme geschmolzene Gletscherwasser sammelt. Die Kessel entleeren sich regelmäßig alle ein bis drei Jahre. Zurzeit erwarten die Wissenschaftler nur die Leerung des westlichen Kessels. Es könnte aber sein, dass sich der östliche anschließt. Besonders heftige Gletscherläufe der Skaftá mit Schäden an der Infrastruktur gab es zuletzt 2015 und 2018.

Der Wasserfluss der Skaftá in der Messtation Sveinstindur war heute Morgen auf 500 Kubikmeter pro Sekunde angewachsen – mehr als das Dreifache  des Wertes vom Tag zuvor. Nach den Prognosen sollen es aber nicht mehr als 750 Kubikmeter pro Sekunde werden. Bei diesen Punkten sollten Reisende in den nächsten Tagen besonders aufmerksam und  vorsichtig sein:

  • Straßen und Wege nahe des Flusses können überschwemmt werden. Die Ringstraße verläuft auf einer Brücke über die Skaftá.
  • Es sind bereits Schwefeldämpfe gemeldet worden. Im Interesse der Gesundheit sollten Reisende sich nicht in der Nähe der Gletscherränder von Skaftárjökull, Tungnaárjökull und Síðujökull aufhalten.
  • Wenn sich einer oder gar beide Kessel entleeren, sinkt die Eisdecke darüber anschließend ein und es bilden sich Spalten. Wer auf dem Gletscher unterwegs ist, sollte sich von diesen Gebieten fernhalten. Das gilt auch für die tieferen Gebiete von Skaftárjökull und Tungnaárjökull, wo Gletscherflüsse durchbrechen könnten.

Update 23 Uhr: An der Messtelle Sveinstindur wurden am Vormittag bis zu 520 Kubikmeter pro Sekunde gemessen, danach blieb der Fluss auf diesem hohen Niveua mit einer leicht sinkenden Tendenz

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