Isländische Fischereifirma In Namibia: Bestechung und Betrug

Island/Namibia. Die isländische Fischereigesellschaft Samherji hat vorgestern ihren guten Ruf verloren. Das Unternehmen verschaffte sich zunächst  durch Bestechung umfangreiche Quoten vor Namibia. Die Gewinne flossen dann unter anderem auf die Marshallinseln. WikiLeaks und Kooperationspartner in den Medien gingen am Dienstag damit in die Öffentlichkeit. Der Fall wird in isländischen Medien heiß debattiert.

Reykjavik

Nachfahren der Wikinger sind mit Raubzügen neuzeitlicher Art in Namibia.

Fishrot Files heißen die 30 000 Dokumente zu dem Fall, der übler riecht als alter Fisch.  WikiLeaks kooperierte außerdem mit mehreren Medien: Kveikur, das Investigativformat des isländischen Fernsehens (auf Englisch), das isländische Wochenblatt Stundin, die Tageszeitung The Namibian und Al Dschasira. Zwei Mitglieder der Regierung von Namibia, der Fischerei- und der Justizminister, sind inzwischen zurückgetreten. Der Geschäftsführer von Samherji hat sich zumindest vorübergehend von seinem Amt zurückgezogen.

Der Whistleblower, der sich auch zu erkennen gegeben hat, ist ein ehemaliger Projektmanager von Samherji, der das Unternehmen 2016 verließ.  „Das sind kriminelle Aktivitäten. Es ist organisiertes Verbrechen. Sie profitieren von den Ressourcen des Landes und ziehen alles Geld aus dem Land, um es anderswo zu investieren, in Europa oder den USA“, wird der Mann zitiert. Es gab zuvor bereits Diskussionen über Samherjis Aktivitäten vor der afrikanischen Küste.

Gutes Geschäft Tiefkühlfisch

Samherji hat in Namibia zwar Gesellschaften, Katla, später in Mermaria umbenannt, und Arcticnam, gemeinsam mit namibischen Quotenbesitzern. Katla war besonders gut ausgelastet und genoss Sonderkonditionen. Insgesamt waren drei geleaste Fabrikschiffe auf See, große Trawler, auf denen der Fisch auch gleich verarbeitet und eingefroren werden kann. Deshalb war es für Samherji so wichtig gewesen, Quote für die Bastardmakrele zu bekommen: Diese ist dafür besonders gut geeignet.

Früher: Länderkooperation Namibia-Island

Es waren Isländer, die Anfang der 1990er Jahre im Zuge einer Länderzusammenarbeit nach Namibia kamen, um dort beim Aufbau einer Fischereiindustrie zu helfen. Namibia war gerade von Südafrika unabhängig geworden. Bisher hatten nur ausländische Schiffe vor der Küste gefischt, für die Einwohner des Landes war nichts übrig geblieben.  Es wurde eine staatliche Fischereigesellschaft, ein Meeresforschungsinstitut und eine Seefahrtsschule eingerichtet, und anfangs schien alles gut zu laufen. Ziel war, dass die Namibier die Aufgaben selbst übernehmen sollten. 2010 endete die offizielle Zusammenarbeit.

„Geld in den Taschen einer korrupten Elite“

Als Samherji neue Fischgründe vor Westafrika suchte, fiel die Wahl auf Namibia. Und diese Isländer hatten nicht das Wohl des Landes im Sinn: “ Sie schrecken vor Bestechung nicht zurück und brechen das Gesetz, damit sie so viel Geld wie möglich aus dem Land schaffen können und hinterlassen nichts als verbrannte Erde und Geld in den Taschen einer korrupten politischen Elite“, so der Ex-Mitarbeiter. Samherji dürfte allerdings nicht das einzige Unternehmen sein, dass versuchte, sich Vorteile zu erkaufen.

Die Dokumente zeigen jedenfalls eine trickreiche Verteilung der Bestechungsgelder und Nutzung von Steuerschlupflöchern, unter anderem auch über die norwegische Bank DNB, die deshalb in Norwegen in die Schlagzeilen geraten. Welche Folgen die Enthüllungen für Samherji auf Island haben, ist noch unklar.

Letztes Update 19.50 Uhr

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