Im Kampf gegen Scrapie: Immune Schafe finden und züchten

Island. Zurzeit ist keine Krankheit so präsent wie Covid-19. Isländische Schafbauern fürchten eine andere Seuche jedoch viel mehr – denn es gibt weder Impfstoff noch Heilungschancen für ein Schaf, das von Scrapie, isländisch riða, befallen ist. Schlimmer noch: Um die Ausbreitung zu verhindern, muss die gesamte Herde getötet werden. Doch ein neues Forschungsprojekt verspricht Hoffnung: Es gibt Tiere, die aufgrund ihrer vorteilhaften genetischen Ausstattung gegen Scrapie immun sind, und vier solche wurden auch auf Island gefunden. Darüber berichteten RÚV und Iceland Review.

Schafe Island

Schafe auf Island. Foto Elisabeth Mosaidis/ Pixabay

Forschung zur Immunität gegen Scrapie wird in vielen Ländern betrieben. Es hat sich gezeigt, dass die Anfälligkeit für Scrapie auch von bestimmten Genabschnitts-Varianten abhängt, und es wird versucht, aus weniger anfälligen Tieren resistente Herden zu züchten. Bei dem Projekt auf Island liegt die Hoffnung auf dem sogenannten T 134-Genabschnitt. Dessen schützender Nutzen ist in drei italienischen Studien nachgewiesen worden. Es läuft nun eine groß angelegte Reihenuntersuchung mit Proben von bisher 2500 Schafen von Island und Grönland, die genetisch untersucht werden. Vier Schafe mit diesem Genabschnitt wurden bereits gefunden, bisher aber nur weibliche Tiere. Zur Zucht fehlt also noch ein Bock – aber die Suche geht weiter. Vor allem in alten Beständen und bei ungewöhnlichen Tieren werden Proben genommen.

Scrapie durch Zucht überwinden

Die Initiative dazu kam von der deutsch-isländischen Schafzüchterin und Autorin Karólína Elísabetardóttir, unterstützt wird das Projekt von der isländischen landwirtschaftlichen Beratungsstelle und dem Versuchsinstitut Keldur der Universität. Beteiligt sind auch deutsche, italienische und britische Wissenschaftler. Karólína Elísabetardóttir hofft, dass so Scrapie auf Island innerhalb von zehn Jahren überwunden werden kann.

Jüngster Scrapie-Ausbruch war 2020

Der jüngste Scrapie-Ausbruch war im Herbst 2020 in Skagafjörður, Nordisland. Fast 3000 Schafe und Ziegen mussten damals getötet werden. Weil der Scrapie-Erreger, ein fehlgebildetes Pion, auch im Boden noch eine Zeit überlebt, darf ein Bauer danach noch zwei Jahre lang keine Schafe mehr halten. Erst danach kann er mit unbelasteten Tieren neu beginnen. Der Scrapie-Befall eines Hofes ist auch der Hintergrund im preisgekrönten isländischen Film „Hrútar”, auf Deutsch „Sture Böcke“.

Früherer Artikel zu Thema:

Scrapie am Skagafjörður: 2000 Schafe müssen getötet werden

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