Heiße Diskussion um grönländische Kartoffeln

Grönland. In Grönland wachsen jetzt Kartoffeln. Nicht nur eine Handvoll, sondern inzwischen rund 100 Tonnen im Jahr. Dass es auf der Eisinsel vielleicht noch an Know-How für dieses neue Produkt fehlt, zeigt die jüngste Diskussion: Ein Händler musste 50 Tonnen davon wegwerfen, weil sie nicht verkauft und inzwischen verrottet waren. Darüber berichtete Sermitsiaq.AG.

Kartoffeln

Kartoffeln – auch in Grönland begehrt.

Die traditionellen Erwerbszweige in Grönland haben es immer schwerer. Die Gletscher schmelzen, das Meereis hält nicht mehr so wie früher.  Dafür hat die Landwirtschaft in Südgrönland nun bessere Chancen. 1500 Tonnen Kartoffeln importiert Grönland jedes Jahr laut Sermitsiaq.AG. 110 Tonnen kaufte Neqi A/S, eigentlich eine Schlachterei, im vergangenen Herbst von den südgrönländischen Schafzüchtern, die nebenbei nun auch Kartoffeln anbauen – und konnte nur etwas mehr als die Hälfte bei den Supermärkten loswerden.

Dabei handelte es sich bei den grönländischen Kartoffeln sogar um Bio-Ware – bis jetzt halten sich Pflanzenkrankheiten dort in Grenzen, es wird nicht gespritzt. Der Einkaufschef einer Ladenkette erklärte gegenüber dem Online-Medium, die einheimischen Kartoffeln würden auch entsprechend präsentiert und seien nur wenig teurer als die importierten. Der Kunde habe sich anders entschieden.

Warum, das war in den Kommentaren zu lesen: Gleich mehrere Debattenteilnehmer wiesen darauf hin, dass viele Kartoffeln grün gewesen seien, also irgendwann Licht bekommen hätten. Man äße gerne grönländische Kartoffeln, aber die Qualität müsse stimmen – und der Preis.

Mehr Kontrolle, neue Lager, neue Verpackungsanlage

Das Unternehmen hat auch bereits entsprechende Konsequenzen gezogen, wie es gegenüber Sermitsiaq.AG erklärte: Die Qualitätsansprüche sind künftig höher, es werden aber auch neue Lager und eine neue Sortier- und Verpackungsanlage eingerichtet. Außerdem wird über Kartoffelprodukte nachgedacht. Dies ist bereits mit den Züchtern und auch mit der Regierung abgesprochen. Im Vorjahr hatte die Regierung offenbar noch den Wunsch, dass Neqi sämtliche grönländischen Kartoffeln aufkauft, auch wenn die Menge zu groß schien und die Qualität teilweise zu wünschen übrig ließ.

„Deutliches Potenzial für Kartoffeln“

Der Umfang der Kartoffelernte 2017 bedeutet auch nicht, dass Grönland plötzlich zum Agrarland geworden ist. In einer von der grönländischen Regierung in Auftrag gegebenen Studie der Universität Aarhus dazu, wie der Klimawandel die grönländische Landwirtschaft verändern könnte, weisen die Autoren deutlich auf die starken Wetterschwankungen zwischen den Jahren in der Vergangenheit hin, die sich auch fortsetzen werden. Dazu kommt, dass Südgrönland im Sommer normalerweise recht trocken ist – manchmal zu trocken. „Es gibt ein deutliches Potenzial für Kartoffeln, aber auch Entwicklungsbedarf in Bezug auf den Anbau, darunter Methoden und Strategien für die Bewässerung“, heißt es im Resumée. Man geht allerdings davon aus, dass die Produktionskosten für Kartoffeln in Grönland teurer bleiben werden als im klimatisch günstiger gelegenen Dänemark – den späteren Transport allerdings nicht eingerechnet.

Schon sehr viel früher wurde in Südgrönland Landwirtschaft betrieben – die Zeugnisse sind heute noch zu besichtigen: Grönland: Hof Erik des Roten ist jetzt UNESCO-Welterbe

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