Grönlands Eispanzer schmilzt schneller als vor 15 Jahren

Grönland. Grönlands Inlandeis schmilzt –  fast vier mal so schnell wie noch vor 15 Jahren und nicht nur über Gletscher, sondern auch im Südwesten.  Das zeigt eine neue Studie internationaler Wissenschaftler, die gestern vorab online bei PNAS veröffentlicht wurde.

Eis

Grönland-Eis unterwegs. Foto Thomas Christiansen

2002 wurde der Zwillingssatellit GRACE ins All gebracht, eine Kooperation von NASA und DLR. Damit wurde unter anderem erstmals eine Komplettüberwachung des grönländischen Eispanzers möglich. Die Zwillingssatelliten waren bis 2017 aktiv. Wissenschaftler der Ohio State University, der dänischen DTU Space und weitere haben nun anhand von GRACE-Daten ab 2003 und den 57 dänischen GPS-Messstationen GNET auf dem Eis die Masseveränderungen ausgewertet. Dabei ergaben sich gleich mehrere neue Erkenntnisse.

Zum einen hat der Eisverlust sich innerhalb von zehn Jahren, von 2003 bis 2013, fast vervierfacht. Waren es 2003 noch 111 Kubikkilometer netto, so gingen 2013 bereits 428 Kubikkilometer netto verloren. Diese Masse verschwand aber nicht nur über die schneller fließenden Gletscher wie dem Sermeq Kujalleq bei Ilullissat im Nordwesten oder im Südosten. Sie wich auch im gletscherarmen Südwesten, wo das Schmelzwasser dann als Fluss ins Meer geht.

Die Rolle der Nordatlantischen Oszillation

Dass Klimasysteme komplex sind, zeigt die Anomalie, auf die sie in einem Zeitraum von 12 bis 18 Monaten 2013/2014 stießen: In dieser Zeit ging dem Inlandeis nämlich keine Masse verloren – danach setzte sich der Abwärtstrend fort. Die Erklärung sehen die Wissenschaftler im Zusammenwirken der Nordatlantischen Oszillation mit den steigenden Temperaturen in der Arktis. „Nordatlantische Oszillation“ bezeichnet die Unterschiede im Luftdruck zwischen Islandtief und Azorenhoch. Dabei gab es schon immer Schwankungen, die sich dann auf das Wetter von den östlichen USA bis weit nach Europa hinein auswirkten.

Die allgemeine Temperatursteigerung, so die Theorie, kann von  bestimmten Konstellationen der Nordatlantischen Oszillation enorm verstärkt werden, sodass das Inlandeis noch schneller schmilzt. Das ist der Erklärungsversuch für die Beschleunigung seit 2003.  Eine andere Konstellation, die offenbar aber nur selten vorkommt, konserviert dagegen den Eispanzer. Die Wissenschaftler gehen davon aus, dass der „Tipping Point“ bereits überschritten ist und aufgrund des schneller schmelzenden Eises auch der Meeresspiegel entsprechend ansteigen wird – eine schlechte Nachricht für Küstenstädte und flache Inseln.

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