Eisbär-Video löst weltweit Diskussionen aus

Ein namenloser Eisbär auf der kanadischen Insel Baffin Island, inzwischen vermutlich tot,  ist das Gesicht des Klimawandels geworden. Das Video eines Teams vor Umweltorganisation  Sea Legacy (siehe unten) zeigt das vollkommen ausgemergelte Tier, das mit letzter Kraft versucht, in einer Mülltonne etwas Essbares zu finden. Seit das Video vor rund zwei Wochen veröffentlicht wurde, ist weltweit eine Diskussion darüber in Gang.

Eisbär

Der Eisbär sucht Futter und findet nur Müll.
Screenshot aus dem Video von Sea Legacy.

„Wir filmten, während uns die Tränen herunterliefen“, berichtet der Biologe und Fotograf Paul Nicklen im Interview mit National Geographic. Nicklen, 49, ist in Nordkanada aufgewachsen und hat in seinem Leben schon viele Eisbären in ihrer natürlichen Umgebung erlebt. Der Anblick, der sich dem Team Ende August auf Baffin Island bot, habe jedoch zu den schlimmsten überhaupt gehört.

Für Nicklen und sein Team ist ganz klar der menschengemachte Klimawandel am Tod des noch jungen Eisbären schuld: Weil die See um Baffin Island immer früher taut und später zufriert, hat das auf Robben spezialisierte arktische Raubtier monatelang keine Chance auf Beute. Denn ohne Eis kommt er an die Robben nicht heran. Und anders als seine braunen Verwandten ist der Eisbär ein reiner Fleischfresser, der sich nicht zwischendurch mit Pflanzen oder Früchten behelfen kann.  “ So sieht es aus, wenn ein Bär verhungert“, sagt Nicklen und wünscht sich, dass das Tier wenigstens nicht umsonst gestorben ist, sondern die Menschen aufrüttelt, das Klimaproblem effektiver anzugehen.

Kein Eis, kein Futter

Nach der Veröffentlichung des Videos wurde Nicklen gefragt, warum das Team nicht geholfen habe. „Natürlich habe ich daran gedacht“, wird er in National Geographic zitiert. Doch sie hätten weder ein Betäubungsgewehr noch  200 Kilo Robbenfleisch dabei gehabt. Das Füttern von wildlebenden Bären sei in Kanada zudem verboten. Mitstreiterin Cristina Mittermeier beschreibt, wie hilflos sie angesichts des ausgezehrten Raubtiers fühlte. Sie seien jedoch zu weit weg von jeder Siedlung gewesen, um Hilfe holen zu können.

Weltweit griffen Medien das Thema auf, Eisbär-Experten kommentierten das Video. So zitiert die kanadische CBC einen Eisbärenwart aus Nunavut, der meint, das Tier könne auch einfach krank gewesen sein. So etwas komme vor. Die Sea-Legacy- Aktivisten geben zu, dass man die genaue Ursache in diesem einen Fall nicht wissen könne. Doch man bekomme eine  Vorstellung davon, wie ein hungernder Bär aussieht,  denn „wenn wir das See-Eis verlieren, werden Bären verhungern“, so Mittermeier zu CBC.

Die isländische Zeitung Morgunblaðið lässt den Biologen Steven Amstrup zu Wort kommen, der 30 Jahre lang für eine staatliche Behörde Eisbären-Forschung in Alaska betrieb. Heute ist er Wissenschaftler bei der Schutzorganisation Polar Bear International und bei der Weltnaturschutzorganisation. Kein Biologe behaupte, dass zurzeit alle Eisbären der Welt ums Überleben kämpften, so Amstrup. Schwierig seien die Bedingungen aber vor allem dort, wo das Eis mit der Jahreszeit komme und gehe, wie dort, wo der verhungernde Bär gefilmt wurde. „Wenn das Fasten zu lange dauert, geraten die Tiere an ihre Grenzen“ sagt auch Elisabeth Kruger vom World Wildlife Fund in der New York Times.

Eisrückgang und steigende Temperaturen

Forschungen zeigen, wie das Polareis in den vergangenen Jahrzehnten abgenommen hat und die Temperaturen gestiegen sind – vom National Snow and Ice Data Center beispielsweise, vom deutschen Alfred-Wegener-Institut oder vom Norwegischen Polarinstitut auf Spitzbergen. Keine guten Aussichten für Eisbären also. Die Weltnaturschutzorganisation IUCN befüchtet deshalb innerhab der nächsten drei bis vier Jahrzehnte einen Rückganz der Population (aktuell etwa 26 000) um etwa 30 Prozent und stuft den Bestand der Art deshalb als gefährdet ein. Wie das aussehen könnte, zeigt Nicklens Video.

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