Urvolkfestival Riddu Riđđu: Zuhören, aktiv werden

Kåfjord. Wo haben Sie Norwegens jüngste Pop-Hoffnung, sieben Rapper aus vier unterschiedlichen Polarregionen, indianischen PowWow, Kehlkopfgesang aus Sibirien und experimentellen Joik live an einem Ort? Richtig, es ist Riddu Riđđu, das Urvolkfestival im nordnorwegischen Kåfjord. Es findet in diesem Jahr vom 12. bis zum 15. Juli statt, Karten sind bereits zu haben.

Mari Boine

Mari Boine wird auch bei Riddu Riđđu auftreten. Foto Gregor Hohenberg

Hauptsächlich sind es natürlich samische Künstler unterschiedlicher Stilrichtungen, die dort auftreten, die prominenteste unter ihnen Mari Boine. Das war schließlich der Ursprung des Festivals vor 27 Jahren: Örtliche Jugendliche wollten ihre samische Herkunft nicht schamvoll verstecken, sondern ihre Kultur zeigen und ausleben. Dagegen gab es zunächst Widerstand. Der samische Name Kåfjords auf dem Ortsschild, Gáivuotna, wurde mit Schüssen zerstört. Doch die jungen Leute blieben dabei und erwarben sich schließlich landesweite Anerkennung. Seit 2009 erhalten sie einen staatlichen Zuschuss. „Riddu Riđđu“ heißt übrigens „Kleiner Sturm an der Küste“. Die an der Küste ansässigen Samen lebten traditionell von Fischfang und Jagd.

Neben viel Musik (volles Programm in Norwegisch, Englisch und Samisch) gibt es auch einen Markt für Kunsthandwerk und lokale landwirtschaftliche Produkte, Buchvorstellungen, Kunst, Filme und einen samischen Poetry-Slam. Mari Boine wird zum ersten Mal mit einer Show auftreten, die sie eigens zum 50. Geburtstag der Universität Tromsø entwickelt hat. Und die Besucher müssen keineswegs passiv bleiben: Es gibt unterschiedliche Kursangebote, vom Mini-Sprachkurs Samisch, Stickarbeiten mit Katzensilber oder Joiken und sogar Kehlkopfgesang – die Frauengruppe Tyva Kysy (Тыва Кызы) aus Tuwa, Südsibirien, die in der Jurte auftritt, lässt an ihrer Kunst teilhaben. Für Kinder gibt es ein eigenes Programm, bei dem sie ebenfalls sehr aktiv sein können.

Übernachtungsmöglichkeiten gibt es im Ort nur begrenzt, es werden aber extra Flächen zum Zelten – getrennt nach „Party“ und „Familie“ ausgewiesen.  Auch Wohnmobile können dort parken, allerdings ohne Stromanschluss.

Auch eine Diskussion zu einem aktuellen Thema steht auf dem Programm, veranstaltet gemeinsam mit der Tageszeitung Nordlys: Es geht um die angedachte neue Bahnlinie von Rovaniemi nach Kirkenes. Während die einen sich auf die neuen Möglichkeiten für Wirtschaft und Tourismus freuen, wird das Projekt insbesondere bei den Samen kritisch gesehen. Die Gleise würden Rentier-Weideland zerschneiden. „Hier wird es heiß“, versprechen die Veranstalter.

Offizieller Festival-Trailer:

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