Fund vor Spitzbergen: Schmerzmittel und Antidepressiva in Krebstieren

Spitzbergen (Norwegen). Welche Spuren hinterlässt der Mensch in der Arktis? Dazu sammelten Forscher 2018 Proben vor Ny Ålesund auf Spitzbergen. Zu den überraschenden Ergebnissen gehörten Schmerzmittel und Antidepressiva in Krebstieren. Darüber berichteten Gemini.no und NRK.

Ny Ålesund

Ny Ålesund , Station des Norwegischen Polarinstituts. Foto Thomas Christiansen

Die Forscher fanden die Wirkstoffe Ibuprofen und Diclofenac, beides entzündungshemmende Schmerzmittel. Sie fanden außerdem Antibiotika und sogar Antidepressiva. Dabei leben in Ny Ålesund, einer der nördlichsten Siedlungen der Welt, nur rund 30 Menschen das ganze Jahr über. Im Sommer kommen allerdings jedes Jahr bis zu 200 Wissenschaftler, Saisonarbeiter oder auch Touristen. Die Untersuchung wurde durchgeführt von Forschungsinstitut Sintef, dem Norwegischen Polarinstitut und dem Universitätszentrum auf Spitzbergen (Svalbard) als Teil des Forschungsprojektes PharmArctic.

Die Auswertung der Proben hatte etwas gedauert. Ida Beathe Øverjordet von Sintef sagte, es sei überraschend gewesen, in der dünn besiedelten Gegend so deutliche Spuren von Arzneimitteln zu finden. Die Ursache dafür vermutet sie in der schlechte Abwasserreinigung. Kälte und Permafrost erschweren die Prozesse in arktischen Gebieten, auch auf Spitzbergen. Deshalb könnten dort im Wasser mehr Spuren zu finden sein als vor Orten mit besserer Reinigung. Neben den Siedlungen könnte auch Abwasser von Schiffen dazu beitragen. Möglicherweise trügen auch die arktischen Verhältnisse mit niedrigen Temperaturen und wenig Licht im Winter dazu bei, dass sich die Stoffe im Wasser langsamer abbauten als in wärmeren Gebieten.

Filtert neue Anlage besser?

Ny Ålesund hat inzwischen eine einfache Reinigungsanlage bekommen. Es wurden danach erneut Proben genommen, um zu sehen,  wie gut die Stoffe nun herausgefiltert werden, das Ergebnis liegt noch nicht vor. Im Kampf gegen Mikroplastik sei die Anlage bereits erfolgreich gewesen, so Forscher Geir Wing Gabrielsen vom Norwegischen Polarinstitut – 90 Prozent würden entfernt. Auch vor Longyearbyen wurden nun Proben genommen, die auf Arzneimittelspuren untersucht werden sollen.

Inwieweit die Tiere von den Medikamenten beeinflusst werden, ist noch unklar, ebenso wie die Wirkung im weiteren Verlauf der Nahrungskette. Denn die Krebstiere werden ja oft von größeren gefressen.

Das Ergebnis der Forschung könnte Einfluss haben auf zukünftige Vorschriften in arktischen Gegenden – sowohl an Land als auch auf Kreuzfahrtschiffen.

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