Der Müll und das Meer: Sogar im Eis findet sich Plastik

Spitzbergen. Wo auch immer der Mensch heute hin will: Sein Müll ist schon da. Das gilt auch für die Arktis. Zwei Wissenschaftler des Norwegischen Polarinstitutes haben den aktuellen Forschungsstand in dem Bericht „Plastic in the European Arctic„zusammengefasst: Plastik befindet sich am Strand, im Wasser und sogar im Meereis.

Albatross

Albatros voller Plastik (nicht in der Arktis).
Foto Chris Jordan, CC BY 2.0

„1989 untersuchten wir den Mageninhalt von 40 Eissturmvögeln und fanden bei dreien von ihnen kleine Plastikstücke im Magen. 2013 machten wir eine vergleichbare Studie. Da waren es drei Eissturmvögel, die kein Plastik im Magen hatten, und es ging nicht nur um ein paar Stücke, sondern um Hunderte“, berichtet einer der beiden Autoren, Geir Wing Gabrielsen, im Gespräch mit High North News.

Gabrielsen forscht seit den 1970er Jahren über Seevögel, 36 Sommer hat er auf Spitzbergen damit verbracht. Mit eigene Augen hat er gesehen, wie die Verschmutzung durch Plastik zunahm, und wie Tiere daran starben. Zum einen, weil sie sich in Netzen oder Leinen verhängen, zum anderen, weil sie es fressen. „Der Magen füllt sich, und sie können es nicht verdauen. Schließlich verhungern sie“ so Gabrielsen zu High North News.

Doch nicht nur das sichtbare Plastik, auch die Mikro-Form beunruhigt die Forscher. Gabrielsens Kollegin Ingeborg Hallanger, Co-Autorin des neuen Berichts, sprach darüber bei der jüngsten Arctic Frontiers-Konferenz in Tromsø. „Es gibt Plastik in jeder Größenordnung überall in der Arktis und im Spitzbergen-Gebiet. Am meisten Sorgen machen wir uns über das Mikroplastik, und davon finden wir eine Menge. Besonders viel gibt es im Meereis“,  so Hallanger (Pressemitteilung des Norsk Polarinstitutt hier). In ihrem Bericht  „Plastic in the European Arctic“ verweisen die Autoren auf Untersuchungen, nach denen zwischen 38 und 234 Partikel pro Liter in mehrjährigem Meereis gefunden wurden, was deutlich höher ist als in normalem Seewasser. 

Mikroplastik

Mikroplastik im Meer.
Grafik eskp.de, CC BY 4.0 auf Basis von Lenz/Geomar

Zu Herkunft und Auswirkungen des Mikroplastiks sowie noch kleinerer Partikel ist noch vieles unbekannt – das Autorenteam des Norwegischen Polarinstitutes sieht dort noch großen Forschungsbedarf. Eine erwiesene Quelle sind allerdings Kläranlagen: Sie können die kleinen Partikel, die beispielsweise in vielen Kosmetika enthalten sind, sich aber auch beim Waschen synthetischer Kleidung lösen, nicht zurückhalten.

Den in der Barentssee schwimmenden Plastikmüll und den auf dem Meeresboden dokumentiert das norwegische Meeresforschungsinstitut in Tromsø (Havforskningsinstituttet) in Zusammenarbeit mit den russischen Kollegen von PINRO in Murmansk als Beifang bei ihrer jährlichen Bestandsaufnahme der Fischarten. Die Wissenschaftler aus Tromsø filmen außerdem den Meeresboden im Zuge des Mareano-Projektes. Sie kommen dabei  im Durchschnitt auf 200 Kilogramm Müll pro Quadratkilometer. An besonders verunreinigten Stellen waren es aber such schon bis zu zehn Tonnen pro Quadratkilometer, so das Institut in einem Dokument. 

Müll vom Land und von Bord

Der Müll im Meer in südlicheren Gegenden stammt meist vom Land und wird über Wind und Strömungen fortgetrieben. Im dünn besiedelten hohen Norden, so die Statistik des Meeresforschungsinstitutes, besteht aber etwa die Hälfte aus Gegenständen, die mit der Fischerei in Verbindung stehen.

Grundsätzlich wächst zwar das Bewusstsein für die Probleme, die Plastik schafft, insbesondere im Meer. Auf Spitzbergen helfen inzwischen sogar schon die Kreuzfahrttouristen beim Müllsammeln am Strand. Doch die globale Plastikproduktion lag 2016 inzwischen bei 335 Millionen Tonnen, Tendenz steigend. Geir Wing Gabrielsen fürchtet deshalb, mit Blick auf Untersuchungen von Kollegen, dass sich ein sechster Müllwirbel entwickeln könnte – und zwar in der Barentssee.

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