Finnland: Gnadenfrist für den Torf?

Finnland. Torf trägt zwar nur 4-6 Prozent zur Energieerzeugung in Finnland bei, doch der Anteil an CO2-Ausstoss dabei liegt doppelt so hoch. Die traditionelle Energiequelle ist deshalb im Land umstritten. Sogar in der jüngsten Regierungskrise spielte Torf eine Rolle – es wurden schließlich umfangreiche Hilfen für die Branche beschlossen. Am Freitag wollen die Torfproduzenten in Helsinki trotzdem demonstrieren.

Torf. Foto Elke Freese/ Wikimedia, CC BY-SA 3.0

Die finnische Regierung hatte zwar beschlossen, dass die Energieerzeugung durch Torf bis 2030 halbiert werden soll. Die Vorsitzende der Zentrumspartei, Annika Saarikko, klagte aber neulich bereits öffentlich, der Torfausstieg gehe zu schnell. Es fehle der Brennstoff für die Kraftwerke und ein Modell der Entschädigung für die Produzenten.  Wie Svenska Yle berichtet, sind es aber nicht nur die einheimischen Steuern, die die Torfwirtschaft unrentabel machen, sondern auch die teureren EU-Emissionsrechte. In der Torfproduktion arbeiten noch rund 2000 Personen.

Torf-Frage bei den jüngsten Haushaltsberatungen

In den jüngsten Haushaltsberatungen der finnischen Regierung stand auch die Torf-Frage auf der Tagesordnung. Unter den fünf Koalitionspartnern gehen die Haltungen hierzu weit auseinander. So würden die Grünen die Torfverbrennung gern so schnell wie möglich verbieten. Für die ländlich verankerte Zentrumspartei ist es aber die eigene Wählerschaft, die damit ihr Einkommen verliert. Dass es zeitweise so aussah, als würde die Zentrumspartei die Regierungskoalition platzen lassen, lag zwar nicht nur an der Torf-Frage. Aber sie ist der Punkt, zu dem man anschließend am meisten Konkretes erfuhr. So einigten sich die Verhandlungsführerinnen schließlich auf eine Unterstützung der Torfproduzenten von 60 Millionen Euro im laufenden und 10 Millionen im kommenden Jahr. Außerdem gibt es von 2022 bis 2029 deutliche Steuererleichterungen für die Kraftwerke: Vorübergehend sind mehr Torf-Megawattstunden steuerfrei als bisher. Davon sollen vor allem die kleinen Kraftwerke profitieren.

Torfabbau: doppelt problematisch

Torf entsteht, wenn Moose und andere Pflanzenreste aufgrund des feuchten Moorbodens nicht richtig verrotten können. Das moorreiche Finnland hat reichlich davon. Torfabbau ist ein traditioneller Wirtschaftszweig in Österbotten und weiteren Regionen. Er ist allerdings gleich in mehrfacher Hinsicht problematisch: Durch die Trockenlegung und den Torfabbau geht ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen verloren. Moore speichern außerdem erfolgreich CO2. Dieses wird beim Abbau und bei der Verbrennung freigesetzt.

In dem nun vereinbarten Kompromiss sollen die Emissionen durch Torfverbrennung laut Yle durch andere Maßnahmen kompensiert werden.

Früherer Artikel zum Thema:

Sitra-Institut: Finnland soll Torf-Verbrennung schneller beenden

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