Film Aquarela: Die Hauptrolle spielt das Wasser

Der Film Aquarela ist eigentlich eine Zumutung für das Publikum. Es wird hineingeworfen in Szenerien, ohne dass ihm irgendetwas erklärt wird. Kein Erzähler oder Reporter schafft Distanz. Man sitzt allein mit Bildern von Eis und Wasser, die immer etwas bedrohlich sind, um einfach nur schön zu sein. Sie rücken mit 96 Bildern pro Sekunde heran, zumindest in der Theorie. Nicht jedes Kino kann das abspielen. Aber man sollte diesen Film unbedingt im Kino sehen.

Aquarela

Aquarela – hier eine Szene vom Baikalsee. Foto: Neue Visionen Filmverleih

Der russische Regisseur Viktor Kossakowsky hat diesen Film gedreht, in dem Wasser die Hauptrolle spielt. Wir Zuschauer erleben es in den verschiedenen Aggregatszuständen des Kreislaufs: Eis, Wellen, Regen, Verdunstung. Doch es ist kein romantischer Blick, keine Urlaubsidylle vom Sonnenuntergang am Meer. Kossakowsky wollte das klare Eis am Baikalsee filmen und kam wieder mit Aufnahmen von einbrechenden Autos – die Menschen rechneten einfach nicht damit, dass es früher schmilzt. Wenige Zeilen Untertitel müssen ausreichen, um das zu vermitteln. Er wollte Wellen bei einer Ozeanüberquerung filmen und das dafür angeheuerte Segelschiff, die Polski Hak mit Hayat Mokhenache und Peter Madej, geriet in einen schweren Sturm. Eine Kamera hing oben im Mast und filmte die zehn Meter hohen Wellen. In Grönland kalbte eine Gletscherfront direkt vor dem Schiff . Es sind keine kleinen Klumpen, die sich da im arktischen Wasser wälzen. Andere Bilder sind von Hurrikan Irma, Sturzregen und Hochwasser. (Quellen: IndieWire, BFI)

Nicht einfach ein Film über Klimawandel

Aquarela

Szene aus Aquarela in Grönland mit der Polski Hak. Foto Neue Visionen Filmverleih

Ist es ein Film über den Klimawandel? Man kann das so sehen. Es ist in jedem Fall ein Film, der den Menschen sehr klein erscheinen lässt gegen die Macht des Wassers, und das sollte auch denen zu denken geben, die glauben, es werde schon nicht so schlimm.  Nur das Ende ist ein bisschen idyllisch, jedenfalls für alle, die keine Angst vor Höhe haben: Salto Ángel in Venezuela. Dort fällt das Wasser frei 979 Meter tief, und es kommt kaum etwas unten an.

Oft genug hört man nur Geräusche: brechendes Eis, tobender Sturm, rauschendes Wasser – Hauptdarsteller in Aktion. Die Filmmusik stammt von Eicca Toppinen und Apocalyptica – den finnischen Cellisten, die die Vorstellung davon, wie man mit einem Cello spielt, sehr ausgeweitet haben.

Der Film lief bei den Nordischen Filmtagen und seit Mitte Dezember in einigen Kinos.  Vielleicht haben Sie Glück und finden noch einen Spielort in Ihrer Nähe. Diese Bilder verdienen eine große Leinwand. Hilfsweise tun es sonst natürlich auch Streamingdienste im Internet.

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Hier der Trailer zu Aquarela:

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