Fichten fällen, Fichten pflanzen – beides für die Umwelt

Norwegen. Kann ein Baum schlecht für die Umwelt sein? In der nordnorwegischen Region Nordland fanden gerade zwei Aktionen statt, die widersprüchlich erscheinen. In einem Naturschutzgebiet wurden Fichten entfernt, weil sie die einheimischen Baumarten verdrängten – an andere Stelle wurden welche neu gepflanzt, als Klimawald. Darüber berichtete NRK.

Junkerdalsura

Junkerdalsura und Junkerdalselva. Foto Jim T. Kristensen, Statskog SF, CC BY-SA 2.0

Das Naturschutzgebiet Junkerdalsura im Junkerdalen (Saltdal Kommune) etwas nördlich des Polarkreises umfasst einen Hangwald vom Tal bis zu den kahlen Gipfeln. Eigentlich wächst dort ein lichter Laub- und Kiefernwald.  Allerdings hatte man dort am Storjordfjell zu Beginn des 20. Jahrhunderts auch Fichten gepflanzt, um damit Forstwirtschaft zu treiben. Auf Luftbildern sieht man sie als dunkles Rechteck in heller Umgebung herausstechen.

Diese „Sünden der Vergangenheit“ sollen nun etappenweise beseitigt werden. Denn die Fichten haben sich recht gut in dem Gebiet behauptet und verdrängen den Laub- und Kiefernwald und die Bodenvegetation, die dort eigentlich geschützt werden soll, so die Verwaltung der Nationalparks in Nordland-Mitte, die auch das Naturschutzgebiet betreut. Die erste Etappe ist bereits vollbracht: Rund 1200 gefällte Bäume wurden per Helikopter aus dem unwegsamen Gelände abgeflogen. Eine Straße gibt es dorthin nicht. Da diese Methode nicht nur aufwendig, sondern auch teuer ist, werde es voraussichtlich noch fünf Jahre dauern, bis alle Fichten entfernt seien, heißt es in dem NRK-Bericht.

An andere Stelle in Nordland werden dagegen seit vergangenem Jahr neue Fichten gepflanzt. Nordland, Rogaland und Nord-Trøndelag sind Teilnehmer eines dreijährigen Pilotprojektes namens „Klimawald“ („klimaskog„). Mehr Wald soll mehr CO2 binden. Allein in Nordland ist eine Fläche von insgesamt 300 hektar. Nur einheimische Arten dürfen verwendet werden. Fichte ist durchaus heimisch in Norwegen, aber nicht überall.

Fichten nicht gut für’s Klima?

Wissenschaftler Jarle Bjerke vom Norwegischen Institut für Naturforschung (Norsk Institutt for Naturforskning, NINA) hält die Aktion für schlecht vorbereitet und sogar für kontraproduktiv: Zum einen würden die tiefen Wurzeln der Fichte das Karbon vergangener Zeiten freisetzen, zum anderen  trage die dunkle Farbe der Bäume dazu bei, dass sich die Umgebung aufwärme, sagte er zu NRK. Diese Ansicht teilen die Betreiber des Klimawaldes nicht. Das Projekt soll wissenschaftlich begleitet und ausgewertet werden.

An vielen Orten braucht der Wald allerdings keine Nachhilfe von den Menschen: Erst vor kurzem stellten Wissenschaftler fest, dass der Wald aufgegebene landwirtschaftliche Flächen schnell einnimmt und aufgrund der Klimaerwärmung und auch immer höher in den Bergen zu finden ist.

Mehr zum norwegischen Wald: Norwegen: Klimaforscher bitten Bergwanderer um Hilfe

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