Färöer-Pferd vor dem Aussterben?

Färöer. Es gibt zu wenig Färöer-Pferde. Der Rasse droht deshalb Inzucht und sie könnte komplett aussterben. Das befürchtet die Vorsitzende des Vereins Føroysk Ross. Sie plädiert dafür, Tiere auch ins Ausland zu exportieren. Darüber berichtete KVF.fo. 

Färöerpferd

Das Färöerpferd auf der Briefmarke. Quelle gemeinfrei

Das Färöer-Pferd hat ähnliche Eigenschaften wie das Islandpferd: Von einem harten Klima, magerem Futter und einer unwegsamen Landschaft geprägt, ist es genügsam, widerstandsfähig und trittsicher. Es ist allerdings etwas kleiner, 115–125 Zentimeter hoch. Oft wird es deshalb auch Färöer-Pony genannt.  Anfang des 20. Jahrhunderts gab es noch rund 800 dieser Pferde auf der Inselgruppe. Sie wurden geritten und zum Tragen von Lasten benutzt. Doch dann verkauften viele ihre Tiere als Arbeitspferde an britische Kohleminen. Zum Reiten wurden Norwegische Fjordpferde und Islandpferde eingeführt. Durch Kreuzungen verschwanden typische Eigenschaften und Merkmale des Färöer-Pferds.

Der heutige Bestand an Färöer-Pferden besteht laut kvf.fo aus 95 Tieren, davon sind 25 fruchtbare Zuchtstuten. Zu wenig, so Jóna Adelaide Ólavsdóttir zu dem färöischen Sender. Alle gehen auf die vier Pferde zurück, mit denen die ernsthafte Zucht 1978 begann, als fast keine typischen Färöer-Pferde mehr übrig waren. Dass es sich um eine eigene Rasse handelt, wurde 2004 von der Schwedischen Landwirtschaftsuniversität (SLU) bestätigt, die eine DNA-Analyse vornahm. Das Islandpferd und das Färöer-Pferd haben gemeinsame Vorfahren und sind näher miteinander verwandt als mit anderen Rassen.

Kein großer Markt für die Pferdezucht

Von den Zuchstuten kommen zurzeit nur wenige Fohlen pro Jahr. Mal sind es sechs oder sieben, in diesem Jahr war es aber nur eins, und im kommenden Jahr wird es auch nur eins sein. Ursache ist offenbar, dass  die färöischen Züchter Sorge haben, dass sie ihre Fohlen auf den Färöern nicht verkaufen können. Die Absatzmöglichkeiten für diese Pferde auf der Inselgruppe selbst scheinen begrenzt. Kommen jedes Jahr nur wenige Fohlen, schrumpft der Bestand. Es drohen Inzucht, Unfruchtbarkeit und das Aussterben der Rasse. Insgesamt gibt es auf den Färöer etwa 600 Pferde, vor allem die etwas größeren Isländer und Norwegischen Fjordpferde.

Die Freunde des Färöer-Pferdes suchen die Lösung nun jenseits der Inselgruppe: Man soll die Tiere an interessierte Käufer in Dänemark exportieren dürfen. Interessierte dänische Züchter könnten sich auch am Erhalt des Bestandes beteiligen. Allerdings fehlen dazu zurzeit die rechtlichen Voraussetzungen, unter anderem eine kontrollierte Registrierung. Der Verein hofft, dass sich dies ändert. Vielleicht schafft die Aktion aber auch mehr Aufmerksamkeit für das Problem – und es finden sich bessere Lösungen auf den Färöer selbst.

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