Aus Versehen neue nördlichste Insel der Welt entdeckt

Grönland. Es gibt eine neue nördlichste Insel der Welt, und sie hat noch keinen Namen. Entdeckt wurde sie von der dänisch-schweizerischen Leister-Expedition – durch Zufall. Die Forscher dachten nämlich, sie stünden auf Oodaaq Ø, der Insel, die bisher diesen Titel trug. Erst ein Vergleich der Koordinaten zeigte, dass sie auf einer Insel standen, die 780 Meter nördlicher lag.

Blick von der nördlichsten Insel der Welt auf Grönland. Foto Morten Rasch/ Universität Kopenhagen

Dass Entdecker sich nicht dort befinden, wo sie zu sein glauben, kam in der Geschichte bekanntlich schon häufiger vor. Oodaaq Ø, grönländisch Oodaap Qeqertaa, wurde 1978 erstmals betreten und auf 83° 40’ 32.51” Nord, 30° 40’ 10.42” West verzeichnet. Sie lag damit noch nördlicher als Kaffeklubben Ø, die wiederum nördlich von Kap Morris Jesup liegt, Grönlands nördlichster Spitze. In den Folgejahren kamen noch weitere Expeditionen auf die flache, aus Steinen und Matsch bestehende Insel. Laut Wikipedia wurde sie allerdings nach 1981 nicht mehr gesichtet.

Die dänisch-schweizerische Expedition war sehr froh, die Insel gefunden zu haben. Der dänische Journalist Martin Breum war dabei und schrieb darüber in Sermitsiaq – da ging er noch davon aus, sich auf Oodaaq Ø zu befinden und notierte, nördlich davon gebe es immer noch viel offenes Wasser. Die Wissenschaftler nahmen Proben auf der Insel.

Tipps von „Insel-Jägern“

Nachdem die Gruppe wieder in eine Gegend mit Internetverbindung gelangt war und Bilder und Koordinaten in den sozialen Medien postete, gab es jedoch Reaktionen, wie Expeditionsleiter Morten Rasch in der Pressemitteilung der Universität Kopenhagen berichtete. Amerikanische „Insel-Jäger“ wiesen darauf hin, dass etwas nicht passte. Bei Nachforschungen mithilfe der Flugdaten zeigte sich, dass sie tatsächlich nicht auf Oodaaq Ø gestanden hatten, sondern auf einer anderen Insel 780 Meter weiter nördlich. Die neue Insel ist 30 mal 60 Meter groß und reicht drei bis vier Meter über das Meer. Oodaaq Ø scheint verschwunden.

Kaffeklubben Ø

Kaffeklubben Ø . Foto Mr Minton from San Diego, US/ Wikimedia, CC BY 2.0

Es gab in der Vergangenheit schon weitere Inselsichtungen in der Region. Wie Oodaaq Ø besteht das neuentdeckte Eiland aus Steinen und Matsch. Laut Rasch deutet dies darauf hin, dass sie im Sturm vom Meer geschaffen sein könnte – aber auch wieder verschwinden kann. Es ist deshalb unklar, ob Dänemark davon auch einen Nutzen in Bezug auf seine Territorialansprüche hat. Die neue Insel hat noch keinen Namen.

Kaffeklubben Ø, grönländischer Name Inuit Qeqertaat, im Jahr 1900 von Robert Peary entdeckt, gehört nicht zu diesen kurzlebigen Inseln. Sie ist immer noch auf 83° 39′ 42″ Nord und 30° 36′ 36″West,  30 Meter hoch und ein Kilometer lang. Viele halten sie für die eigentliche „nördlichste Insel der Welt.“

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