Auf der Suche nach dem grünen Flugzeug-Treibstoff

Schweden. Den Flugzeugen merkte man es nicht an. Aber wer seit dem 18. Dezember von Luleå, Visby, Stockholm-Arlanda oder Bromma sowie Göteborg-Landvetter aus geflogen ist, hatte nicht fossiles Kerosin, sondern gebrauchtes Frittierfett im Tank. Mit dem Biotreibstoff kompensiert die schwedische  Flughafengesellschaft Swedavia ihre Dienstreisen und will auch zur Entwicklung CO2-freier Treibstoff-Alternativen beitragen.

Flugzeug

Hier wird ein Flugzeug mit Biotreibstoff betankt. Foto Victoria Ström/ Swedavia

Die Idee, Frittierfett als Flugtreibstoff zu nutzen, ist nicht neu. Das tat 2011 erstmals KLM auf kommerziellen Flügen. Laut Swedavia reduziert der Einsatz des Biotreibstoffs den Ausstoß von fossilem CO2 mit bis zu 80 Prozent.  Man kann allerdings nicht einfach das alte Fett in den Tank kippen, es muss zuvor behandelt werden. Bisher gibt es dafür keine Produktion in großem Maßstab zu einem konkurrenzfähigen Preis. Swedavia kauft den Treibstoff über den Fly Green Fund.  Produziert wird er von World Energy und geliefert von  SkyNRG in Zusammenarbeit mit Shell. Die Menge, etwa 450 Tonnen, reicht aber reicht nur für einige Tage.

Swedavia will bis 2020 den Bodenbetrieb auf seinen zehn Flughäfen fossilfrei machen – mit  Elektrifizierung und Biotreibstoff. Bis 2030 sollen dann alle Inlandsflüge in Schweden fossilfrei sein. Den Treibstoff der Zukunft sieht Swedavia allerdings nicht im Frittenfett, sondern in Abfallprodukten der Holzindustrie. Daran forscht unter anderem die Technische Universität Luleå (LTU) mit dem Projekt Green Fuels. Als Partner ist unter anderem Swedavia mit im Boot. Die Universität betreibt eine Pilotanlage für verschiedene Arten von Biotreibstoff in Piteå.

Flugzeug-Treibstoff aus Zellstoff-Abfallprodukt?

Basis für einen CO2-armen Flugtreibstoff könnte Schwarzlauge werden, ein Abfallprodukt aus der Zellstoffindustrie. Die Masse enthält Lignin und Teer aus dem Holz. Daraus soll über einen Vergasungsprozess und weitere Veredlung der Treibstoff werden, der zumindest innerhalb Schwedens das Kerosin ersetzen könnte. Verläuft die Vorstudie wie erhofft, könnte die Anlage in Piteå für einen größeren Versuch genutzt werden. Gegenüber SVT sagte der Projektleiter Fredrik Granberg, mit der Pilotanlage ließen sich jährlich 3-500 Kubikmeter derartigen Treibstoffs erzeugen. Das entsprechen drei bis vier Prozent dessen, was auf dem Flughafen in Luleå getankt werde. Granberg sieht das Problem nicht in der Technik, sondern im Preis: Voraussichtlich werde der Biotreibstoff zwei bis drei Mal so teuer wie der fossile.

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