Luftweg wird teurer: Schweden erhebt Flugsteuer

Schweden. Bisher galt Fliegen für Schweden als ein vergleichsweise günstiges Verkehrsmittel – vor allem für die Langstrecke. Die Regierung möchte nun ein Zeichen für das Klima setzen: Seit dem 1. April gilt eine Flugsteuer pro Passagier. Dies dürfte sich auch auf die künftigen Ticketpreise niederschlagen.

Fliegen

Schnell, aber klimaschädlich: Fliegen

Schweden kann nur eine Steuer für Starts im eigenen Land erheben. Für Inlandsflüge und Flüge innerhalb Europas werden 60 SEK, umgerechnet 5,82 Euro pro Passagier fällig. Flugreisen bis zu 6000 Kilometer ab Stockholm (Arlanda) kosten 250 SEK (24,25 Euro), noch weitere Flüge 400 SEK (38,80 Euro). Für Kinder unter zwei Jahren sowie für Fluggäste, die nur umsteigen, wird keine Steuer erhoben. Bezahlen müssen dies die Fluggesellschaften – doch einige haben bereits angekündigt, diese Kosten an den Passagier weiterzureichen.

Schweden auf Platz 10 der günstigsten Flugländer weltweit

Bisher stand Schweden auf Platz 10 von 75 auf der Liste günstiger Flugländer der Buchungsplattform kiwi.com – wegen seiner günstigen Auslandsflüge. Diese haben seit 1990 mit 130 Prozent zugenommen, zeigt eine Untersuchung der Technischen Hochschule Chalmers in Göteborg.  Flugbenzin wird nicht besteuert. Ausgewählte Inlandsflüge werden sogar bezuschusst, um auch für abgelegene Orte, wo kommerzieller Flugverkehr nicht wirtschaftlich wäre, schnelle Verkehrsverbindungen anzubieten.

Vor allem der kleine Koalitionspartner Miljöpartiet hatte die Flugreisen-Besteuerung vorangetrieben. Ziel ist, das Reiseverhalten in eine klimafreundlichere Richtung zu steuern.  Die bürgerlichen Parteien sind dagegen, es gab bereits Ankündigungen, diese Steuer im Falle eines Wahlsieges am 9. September wieder abzuschaffen. So geschah es beim ersten Anlauf zur Flugsteuer 2006.

Flughafen Kiruna

Schwedens nördlichster Flughafen Kiruna.

Im Zuge der Steuerdiskussion thematisierten die Medien auch  die Folgen von Flugreisen für das Klima. „Der Flug ist die einzige Transportmethode, die nichts für ihre klimaschädlichen Emissionen bezahlt“, stellt SVT fest und ließ ihren Reporter eine der beliebten Thailandreisen während des schwedischen Winters in Kohlendioxid-Tonnen und geschmolzene Eis-Quadratmeter umrechnen. Umfragen im Auftrag von Dagens Nyheter und Svenska Dagbladet zeigen , dass eine Mehrheit der Schweden durchaus bereit ist, diese Steuer zu zahlen. Der Flughafen Kopenhagen rechnet allerdings zukünftig mit mehr Passagieren aus Südschweden.

Dänemark hatte eine solche Steuer schon einmal (2005-2007), hat sie aber nach einem regierungswechsel wieder abgeschafft. Deutschland und Österreich haben eine solche Abgabe seit 2011.  Auch in Finnland denken Politiker inzwischen darüber nach. Finnland ist allerdings laut kiwi.com bereits das zweitteuerste Flugland, vor allem die Inlandflüge.

Norwegen hat die Passagiersteuer 2016 eingeführt: Dies führte die Fluggesellschaft Widerøe jüngst als Grund an, warum viele Abflüge gestrichen wurden (siehe Widerøe spart: Weniger Flüge zu den Lofoten).

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