Arktis-Meereis 2022: Zu wenig in der Barentssee, mehr bei Westgrönland

Arktis. Das arktische Meereis-Maximum war in diesem Jahr früh: Besser als am 25. Februar wurde es nicht, meldet das National Snow and Ice Data Center (NSIDC).  Mit 14,88 Millionen Quadratkilometern Ausdehnung ist das Maximum 2022 das zehntkleinste seit Beginn der Messungen 1979. Westgrönland hatte dieses Jahr mehr als normal, die Barentssee und das Ochotskische Meer weniger – und dieser Trend hat sich bis jetzt gehalten.

Meereis Max Arktis 2022

Arktisches Meereis-Maximum 2022. Quelle NSIDC

Für die Bewohner von Aasiat, Ilulissat und Qasigiannguit waren die vergangenen Wochen nicht angenehm. Seit einem Monat liegt das Eis so fest vor ihren Orten, dass das Versorgungsschiff nicht durchkommt, meldet Sermitsiaq.  Einige frische Waren wurden daraufhin mit dem Flugzeug geliefert. Eine Basisversorgung für den Winter ist aber vorhanden. Am Dienstag, dem jüngsten regulären Liefertermin, drehte die „Mary Arctica“ wieder um, weil das Eis immer noch nicht zu durchdringen war. Auch Passagiere sitzen fest. Bis nach Nuuk reicht das dichte Treibeis. Die Arctic Umiaq Line, die mit dem Schiff Sarfak Ittuk die Westküste bedient und am Freitag den Betrieb starten will, fährt nach Norden nur bis Maniitsoq. Einen regulären Eisbrecherservice gibt es nicht.

Südwestgrönland gehört zu den Gebieten, in denen es gerade kälter war als normal. In weiten Teilen der Arktis und über der Barentssee war es gerade umgekehrt. Nur noch im Osten von Spitzbergen zeigen die Eiskarten aktuell dichtes Eis. Eine eisfreie Zunge geht von der offenen Barentssee bis nördlich von Nowaja Semlja. Und es gibt sogar einen größeren eisfreien Bereich zwischen Spitzbergen und Franz-Josef-Land. Für die Eisbärenpopulation dieser Region sind das keine guten Bedingungen.

Eis-Ausdehnung und Volumen

Arktisches Meereis 2022 März 22

Konzentration des Arktischen Meereises 22. März. Quelle NSIDC

Die Ausdehnung des Meereises wird seit 1979 per Satellit gemessen. Alle neun Meereis-Maxima, die noch geringer waren als 2022, waren in den jüngsten 15 Jahren. Neben der Ausdehnung des arktischen Meereises ist auch immer die Eisdicke ein wichtiger Indikator. Die Tendenz ist, dass es immer weniger mehrjähriges Eis gibt.  Eine neue amerikanische Studie überprüfte nun außerdem die Methode, mit der bisher kalkuliert wurde, wie tief das Eis vom Schnee in die Tiefe gedrückt wird. Danach wurde die Menge Schnee zuletzt überschätzt, weil sie sich noch an früheren Werten orientierte. Nach den Berechnungen auf der Basis von ICESat-2 und CryoSat-2-Messungen wäre noch weniger dickes Eis vorhanden als man vorher dachte.

Eine extreme Wärmeanomalie gab es gerade nicht nur in der Arktis, sondern auch in der Antarktis. beide mit mehr als 15 Grad über dem Durchschnittswert 1981-2010.

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