Alle norwegischen Gletscherfronten 2019 auf dem Rückzug

Norwegen. Die norwegische Behörde für Gewässer und Energie hat gestern das Ergebnis ihrer neuesten Gletschervermessung veröffentlicht. Wenig überraschend befinden sich alle 36 vermessenen Gletscherfronten auf dem Rückzug. Am meisten sind Gråfjellsbrea (Folgefonna) und Nigardsbreen (Jostedalsbreen) geschrumpft, 82 und 81 Meter.

Engabreen

Von der Markierung ist die Gletscherspitze inzwischen ein gutes Stück entfernt. Engabreen, Sommer 2019

„Die Gletscher in Norwegen entwickeln sich genauso wie die Gletscher im Rest der Welt“ so Glaziologe Hallgeir Elvehøy von der Behörde NVE (Norges Vassdrags- og Energidirektorat). Die Massebilanz, also das Verhältnis zwischen Neuschnee auf dem Gletscher während des Winters und dem, was im Sommer an Eis und Schnee wegschmilzt, sei über längere Zeit negativ gewesen. „Die zehn Gletscher, bei denen wir die Massebilanz messen, sind seit dem Jahr 2000 im Durchschnitt um 16 Meter dünner geworden.“

Im Herbst sind die Gletscher jeweils am kleinsten. Die Behörde misst die Fronten von  36 Auslassgletschern von einem festen Punkt mit einem Laser. Dabei spielen auch sehr individuelle Faktoren der Topografie eine Rolle, sodass selbst benachbarte Eiszungen eine unterschiedliche Entwicklung nehmen können. Die Tendenz ist allerdings überall dieselbe. Im Durchschnitt zogen sich die Fronten in den vergangenen zehn Jahren um 197 Meter zurück.

Im Durchschnitt 197 Meter Rückzug in zehn Jahren

Gråfjellsbrea an der Westseite des Folgefonna ist in den vergangenen zehn Jahren auch insgesamt am meisten geschrumpft, diese Gletscherzunge reichte damals noch 584  Meter weiter.  Die Front des Nigardsbreen in Luster, bei Besuchern beliebt, weil er so einfach zugänglich ist, war vor zehn Jahren noch 504 Meter weiter talwärts.

Engabreen als einziger mit positiver Massebilanz

In Nordnorwegen ist Engabreen, ein Auslassgletscher des Svartisen, ein beliebtes Ziel, doch auch dieser ist auf dem Rückzug. Im Sommer 2018 schmolz die Zunge 140 Meter weg, vergangenen Sommer waren es 61 Meter. Vor zehn Jahren reichte sie noch 332 Meter weiter. Trotzdem nennt der Glaziologe Engabreen gegenüber NRK den „einzigen Lichtblick“, denn dieser habe dank der Schneemassen im Vorjahr zumindest eine positive Massebilanz gehabt – eine seltene Ausnahme. Engabreen wird von Niederschlägen begünstigt und gehört zu den Gletschern, die in den 1990er Jahren sogar wieder ein bisschen wuchsen, im Gegensatz zum Ostteil des Svartisen, der tiefer im Land liegt und weniger Neuschnee bekam. Engabreen gilt als der Gletscher auf dem europäischen Festland, der am tiefsten hinunterreicht. Sein Hauptteil liegt auf 1000 Metern Höhe.

Mehr zu Gletschern:

Anzeige
Dieser Beitrag wurde unter Geologie, Norwegen veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.