Abstimmung: Die Rote Liste der Naturerlebnisse

Norwegen. Möchte ich den frei fließenden Fluss nicht missen? Fände ich es schlimm, wenn es kaum noch Winter gäbe? Oder ist Beerenpflücken für mich der Inbegriff von Naturnähe? WWF Norge und Norsk Friluftsliv stellen das Land gerade vor schwere Entscheidungen. Sie erstellen nämlich die „Rote Liste der Naturerlebnisse“ – Mehrfachnennungen sind allerdings erlaubt.

Winter

Winter mit Schnee.

„Rote Listen“ geben normalerweise einen Überblick über die Zukunftsaussichten von Arten oder Naturtypen. Auch die zehn Themenbereiche, die die Jury aus vorangegangenen Befragungen ausgesucht hat, sind in Zukunft nicht mehr so selbstverständlich, aus ganz unterschiedlichen Gründen. Norwegen scheint ein Land, in dem von unberührter Natur noch reichlich vorhanden ist – vor allem, wenn man es mit Deutschland vergleicht. Doch auch dort werden immer mehr Flächen bebaut, Flüsse dienen der Energieerzeugung, künstliches Licht schränkt den Blick auf den Sternenhimmel ein. Die Klimaerwärmung sorgt dafür, dass der Winter kürzer wird und man für eine Skitour zu Ostern in Zukunft schon sehr viel höher in die Berge muss. Auch die Gesellschaft ändert sich – wer Beeren nur aus dem Supermarkt kennt, weiß nicht um das Glück, sie selbst zur richtigen Zeit und an der richtigen Stelle zu finden.

Fließendes Wasser, Winter, Sternenhimmel

„Die Rote Liste für Naturerlebnisse wird nicht so wissenschaftlich wie die Roten Listen für Arten und Naturtypen. Statt dessen ist es unsere Absicht, die Gefühle der Menschen gegenüber der Natur ernst zu nehmen.  Denn auch die schönsten Erlebnisse sind es wert, bewahrt zu werden“, heißt es zum Ziel der Aktion auf der Internetseite. Anders gesagt: Auch der Mensch verliert, wenn die Natur verliert – und es lohnt sich, sie zu schützen.

Und das sind die zehn Punkte, über die nun abgestimmt wird: Stille (ohne Motorgeräusche und Handyklingeln) – intakte Natur (Wildnis inklusive Raubtiere) – Beerenpflücken (eine Fähigkeit, die verloren geht)- aktive Jagdausübung (fehlende Fähigkeiten und Möglichkeiten) – frei fließendes Wasser (bedroht durch Regulierung zur Energiegewinnung, Verschmutzung) –  der Hundert-Meter-Wald (Naherholungsgebiete, bedroht durch Verdichtung der Orte) – Winter (wärmer aufgrund des Klimawandels) – Vogelfelsen-Krach (der Seevogelbestand geht zurück) – Sternenhimmel (zu viel künstliches Licht bringt den Rhythmus durcheinander und schränkt den Blick ein) – Kulturlandschaften ( Modernisierung hat die Landwirtschaft verändert, beispielsweise sind weniger Tiere auf der Weide).

Eine Länderbeschränkung beim Abstimmungformular scheint es nicht zu geben. Was wäre Ihre Wahl?

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