60. Nordische Filmtage Lübeck feiern einen Tag länger

Lübeck. An prominenten 100. Geburtstagen ist in diesem Jahr kein Mangel: Ingmar Bergman, die baltischen Staaten und Island zum Beispiel. Die Nordischen Filmtage in Lübeck werden die Jubilare entsprechend würdigen und feiern selbst ihre 60. Auflage mit einem Tag mehr: vom 30. Oktober bis zum 4.November.

Nordische Filmtage

Das Zentrum der Nordischen Filmtage in Lübeck: Das Cinestar-Kino Stadthalle

Sämtliche Höhepunkte des neuen Programms wurden bei der ersten Pressekonferenz noch nicht ausgeplaudert – aber doch ein paar  Details. So ist Ralph Heinsohn, zuständig für das Programm des 360-Grad- Fulldomes auf dem Klingenberg, in Kopenhagen auf einen in Lübeck entwickelten Sternenprojektor aus dem Jahr 1937 gestoßen. Es war eine Auftragsarbeit für das Kopenhagener Planetarium. Doch einer der Entwickler war Jude – deshalb hielt man damals den Ball flach. „Sie wurden um ihren Ruhm geprellt“, meint Heinsohn. Es wäre ein Konkurrenzprodukt zum damals einzigen Hersteller Zeiss gewesen. Zu den Nordischen Filmtagen wird der Apparat nun an seinen Ursprungsort zurückkehren und den Lübeckern und Gästen die Sterne zeigen. Das 360-Grad-Kino präsentiert außerdem die Weltpremiere  „The Baltic Sea“ („Itämeri“) der Finnen Hannes Vartiainen und Pekka Veikkolainen. Darin werfen sie einen poetischen Blick auf die Ostsee und sogar unter das Eis in der Bottenwiek, gehen aber auch auf die Probleme ein.

Filmtage Team

Startbereit (von links): Ralph Heinsohn (Kurator 360-Grad-Filme), Florian Vollmer (Managing Director), Lübecks Kultursenatorin Kathrin Weiher, Linde Fröhlich, Künstlerische Leiterin und Jörg Schöning (Kurator Retrospektive).

Während die Filmtage zum 60. Mal stattfinden, feiert Lübeck den 875. Geburtstag. Dazu passt die Retrospektive, die sich dieses Mal Baltic Transfer – Ostsee und Häfen des Nordens im Film“ widmet. Darunter sind auch vier Stummfilme, die erstmals im Lübecker Hafenkino (Schuppen 6) an der Untertrave gezeigt werden  – mit Live-Musik. Sie erzählen von den alten „Heuerbüros“ in Lübeck (Baldevins Hochzeit, Norwegen 1926), vom Kampf gegen eine Schmugglerbande in Gdingen (Ruf des Meeres, Polen 1927), von dunklen Machenschaften im Hafenviertel Oslos (Café X, Norwegen 1928) und von illegalem Schnapshandel in den Kaschemmen von Tallinn (Wellen der Leidenschaft, Estland 1930). Dazu passt auch Ingmar Bergmans „Hafenstadt“ („Hamnstad“) über Göteborg von 1948. Außerdem gibt es weitere eher unbekannte Werke des bekannten schwedischen Regisseurs zu sehen sowie Dokumentationen und Kurzfilme.

Die Besucher dürfen außerdem einen besonderen Blick auf  Lettland, Litauen und Estland erwarten, die vor 100 Jahren erstmals unabhängig wurden. Damals war gerade der erste Weltkrieg zu Ende gegangen. „Das war ein ganz entscheidender geschichtlicher Moment. Ganz neue Staaten erschienen auf der europäischen Bühne“, so Linde Fröhlich, die Künstlerische Leiterin der Filmtage. Auch Island erhielt damals einen unabhängigen Status. Filme aus diesen Ländern werden in allen Sektionen des Festivals herausgehoben präsentiert.

Das komplette Programm wird am 10. Oktober veröffentlicht. Dank des zusätzlichen Tages, für den die Stadt und die Sponsoren noch einmal tiefer in die Tasche griffen, können die Besucher diesmal möglicherweise noch mehr davon genießen. Denn dieser soll dazu dienen, besonders begehrte Filme häufiger zeigen zu können. Das erleichtert die individuelle Planung – und die Chancen, dafür auch Karten zu bekommen. In der Vergangenheit waren manche Filme extrem schnell ausverkauft.

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