Islands Fluggesellschaften in Turbulenzen

Island. Harte Konkurrenz, hohe Lohn- und Treibstoffkosten, weniger Nachfrage: Sowohl Icelandair als auch Wow Air stecken in finanziellen Schwierigkeiten, und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab. Als Icelandairs Geschäftsführer deshalb zurücktrat, brach die Aktie noch weiter ein.

Flug

Auf dem Weg nach Island.

Die Probleme der beiden Fluggesellschaften sind schon länger in der Diskussion. Als Icelandair Anfang Juli seine Ergebnisprognose nach unten korrigieren musste, sank der Aktienkurs zunächst um 25 Prozent. Vor wenigen Tagen nun gab Icelandair erneut schlechtere Zahlen bekannt. Das Unternehmen hatte zum einen mit steigenden Ticketpreisen gerechnet, was sich nicht erfüllte. Zum anderen brachten Umstrukturierungen nicht den gewünschten Erfolg. Und das Liniennetz ist offenbar aktuell ungünstig ausgerichtet – zu stark nach Nordamerika, wo wegen der großen Konkurrenz aber kaum kostendeckende Preise möglich sind. Erste Korrekturmaßnahmen wurden bereits getroffen. Björgólfur Jóhannsson, Geschäftsführer der Icelandair Group, erklärte sich aber für die Fehler verantwortlich und reichte deshalb seinen Rücktritt ein. Zur Icelandair Group gehören neben der Fernstrecken-Fluggesellschaft Icelandair unter anderem Air Iceland Connect (Inland/Kurzstrecken) und Hotels. Zu den Aktionären gehören Rentenfonds und Versicherungen.  Der Interimsgeschäftsführer kündigte an, es würden Einsparmöglichkeiten geprüft. Es werde  nicht zu Massenentlassungen kommen, einige Aufgaben könnten aber möglicherweise zum Tochterunternehmen nach Estland ausgelagert werden.

Dem Konkurrenten der Traditionslinie, dem Billigflieger Wow Air, geht es aber nicht besser. Das Unternehmen wurde 2011 von Skúli Mogensen 2011 gegründet und übernahm damals Reste der in Konkurs gegangenen Billigfluglinie Iceland Express. Es konnte zwar den Platzhirsch schon fast einholen, was die Passagierzahlen in Keflavik betrifft, steht aber finanziell auf schwächeren Füßen. Vergangenes Jahr fuhr die Linie Verluste ein. Der Gründer war zuletzt auf der Suche nach neuen Investoren, um den Betrieb zu sichern. Gegenüber RUV zeigte sich Mogensen aber gerade optimistisch, dass dies gelingen werde. Die beiden isländischen Fluggesellschaften stehen aber auch im Wettbewerb mit diversen europäischen und amerikanischen Airlines.

Fusions-Idee  ohne Chance

In den vergangenen Jahren waren die Besucherzahlen auf Island ständig gewachsen. 2018 scheint es nun erstmals wieder Einbrüche zu geben. Dazu könnte auch die starke isländische Krone beigetragen haben. Mögen die Flüge nach Island vergleichsweise billig sein, die Preise auf der Insel sind es nicht. Für die Unternehmen kommen die gestiegenen  Treibstoffkosten dazu. Andere Probleme sind hausgemacht: So kam Wow Air bei einem Vergleich von 72 Fluggesellschaften weltweit auf den letzten Platz. Ausschlaggebend dafür waren die schlechten Noten beim Umgang mit Kundenbeschwerden. Das Ranking stammt von der Verbraucherorganisation Airhelp. Icelandair landete auf Platz 45.

Der Chefredakteur von Túrista meinte bei mbl.is, , eine Fusion von  Icelandair und Wow Air könne eine Lösung sein. Schließlich bewege man sich auf demselben Markt. Dieser Vorschlag fand bisher keine große Zustimmung.

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