Wo der Wolf willkommen ist – und wo nicht

Schweden/Norwegen/Finnland. Rund 400 Wölfe gab es Ende des vorigen Winters in Norwegen und Schweden. Der isolierte Bestand leidet an Inzucht. Zugänge aus Finnland sind deshalb willkommen, die Zusammenarbeit der Behörden soll nun auch verstärkt werden. Das Problem: Der Weg führt mitten durch Rentierhaltungsgebiet.

Wolf

Wolf im Zoo, Bardu, Norwegen. Foto Mas3cf/Wikimedia, CC BY-SA 4.o

Der Wolf ist in Schweden seit 1966 geschützt, in Norwegen seit 1972. Da war es für den ursprünglichen Bestand aber schon zu spät. Nach Jahrhunderten der Jagd war er praktisch ausgerottet. Der heutige Bestand geht laut Naturvårdverket auf nur fünf aus Finnland eingewanderte Wölfe zurück, das erste Paar wurde 1983 entdeckt. Die Tiere leben hauptsächlich im Inland und in den Bergregionen Mittelschwedens sowie auf der entsprechenden norwegischen Seite. Am Ende des vergangenen Winters wurde der Gesamtbestand auf etwa 410 Wölfe geschätzt. Die meisten davon leben in Schweden, etwa  305. Für den schwedischen Teil ist dies erneut ein Rückgang. Am Ende des Winters 2014/2015 waren es noch etwa 415,  die höchste Zahl in moderner Zeit. Für Norwegen war dagegen das Ende des vorigen Winters neuer Rekord. Einige Tiere leben auch zu beiden Seiten der Grenze.

Auch ein geschütztes Raubtier kann gejagt werden

Wolfsbestand

Der schwedisch-norwegische Wolfsbestand 2017/2018. Quelle: Rovdata

Der Wolf ist zwar geschützt, der Bestand soll jedoch unter Kontrolle gehalten werden, um die Schäden bei Landwirten und Rentierzüchtern in Grenzen zu halten.  Deshalb wird er unter bestimmten Bedingungen auch bejagt. Weil die Zahl der Tiere zuletzt gesunken war, verzichtet Schweden in dieser Saison darauf – nicht ohne Protest von Jägern, wie SVT berichtet. Schwedens Ziel ist ein Bestand von rund 300 Wölfen. Eine aktuelle Bestandserhebung ist noch in Gang.

Norwegen gibt dem Raubtier nicht ganz so viel Raum. Es gibt eine Zone entlang der Grenze zu Schweden, in der Wolfsnachwuchs akzeptiert ist. Sie macht etwa fünf Prozent des Landes aus. In dieser Saison dürfen insgesamt 29 Wölfe gejagt werden, drei davon aus einem Rudel in der Wolfszone. Die Jagd hat bereits begonnen. Nach Ansicht norwegischer Umweltschutzorganisationen gefährdet die Regierung mit ihrer Wolfspolitik den skandinavischen Bestand. Der Umgang mit dem Wolf ist ein heißes Streitthema mit Demonstrationen von beiden Seiten, wie NRK berichtet. Denn auch in den nordischen Ländern gibt es in der Wolf-Frage sehr unterschiedliche Interessen.

Der skandinavische Wolfsbestand hat ein Inzucht-Problem

Da die bestehenden Rudel in Schweden und Norwegen auf nur wenige Tiere zurückgehen, leiden sie unter Inzucht. Für einen gesunden Bestand wäre jedoch eine genetische Vielfalt wichtig, für die Naturschutzbehörden ist dies ein wichtiges Ziel.  Es wandern auch immer wieder Wölfe aus Finnland oder Russland Richtung Westen. Nach Finnland kommen auch Wölfe aus Russland, manche Rudel leben zu beiden Seiten der Grenze. Der finnische Bestand wird auf rund 200 Tiere geschätzt, etwa 70 Prozent davon haben sich laut Luke inzwischen in Westfinnland angesiedelt.

Das Problem dieser wandernden Wölfe aus Finnland und Russland: Der Landweg zum schwedisch-norwegischen Bestand, wo sie mit ihren Genen höchst erwünscht wären, führt durch Rentierzuchtgebiet – und da sind sie höchst unerwünscht. Der statistisch größte Rentierräuber ist zwar der Vielfraß (Järv), wie jüngst ein Beitrag von Uppdrag Granskning zeigte.   Doch es kommt eben vor, dass auch Wölfe dadurch auffallen – und dann wird meist eine Schutzjagd genehmigt. Vergangenen Herbst wurden zwei solcher „Wander-Wölfe“ in der Finnmark (Norwegen) abgeschossen.

Wölfin

Die Wege der Wölfin, die das Genmaterial der schwedischen Wölfe auffrischen sollte. Quelle: Naturvårdsverket

Eine andere Taktik versuchte das schwedische Naturvårdsverket vor einigen Jahren mit einer in Schwedisch-Lappland aufgetauchten Wölfin aus dem finnisch-russischen Bestand samt neuem Partner. Sie wurden betäubt und dorthin transportiert, wo man sich von ihnen Nachwuchs erhoffte. Doch das Wolfspaar wanderte wieder nach Norden. Es wurde erneut eingefangen, wieder ausgesetzt, wanderte wieder in eine unerwünschte Region, diesmal getrennt.  Insgesamt wurde die Wölfin zwischen 2011 und 2013 vier Mal „umgesiedelt“. Inzwischen hat sie tatsächlich Nachwuchs bekommen, die ersten Welpen haben aber nicht überlebt.

Es gibt nicht nur den Landweg: Nach den vergangenen extrem kalten Wochen ist die Bottenwiek schon ziemlich weit zugefroren. Und an der engsten Stelle, über den Kvarken-Archipel, ist der Weg von Finnland nach Schweden keine 30 Kilometer weit. Vielleicht warten ja ein paar westfinnische Wölfe nur auf die Gelegenheit – es sollen dort schon Spuren beobachtet worden sein.

Dieser Beitrag wurde unter Biologie, Finnland, Norwegen, Russland, Sápmi, Schweden veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.