Vulkaninsel Surtsey ist jetzt 55 Jahre alt

Island. Als normaler Tourist hat man keine Chance, Surtsey zu betreten. Das ist nur Wissenschaftlern vorbehalten. Die Vulkaninsel, die bei einem Ausbruch vor 55 Jahren über die Meeresoberfläche wuchs, bietet einmalige Möglichkeiten, die schrittweise Besiedelung durch Pflanzen und Tiere zu studieren.

Entstehung Surtsey

Die Entstehung von Surtsey. Foto NOAA

Der Kapitän des Fischkutters Ísleifur II soll an ein brennendes Schiff gedacht haben, als er am 14. November 1963 Rauch sah und darauf zuhielt, um zu helfen. Doch der Rauch stammte vom Ausbruch eines Unterwasser-Vulkans, der gerade die Oberfläche erreichte. Und als dann kein Wasser darüber mehr die Wucht dämpfte, stiegen Asche und Dampf hoch in die Luft. Alte Bilder zeigen eine beeindruckende Eruptionssäule. Es ist nicht überliefert, ob ein Flugzeug dadurch Probleme bekam, ein Flugverbot scheint es nicht gegeben zu haben. Allerdings waren 1963 auch noch nicht so viele unterwegs wie 2010, als der Eyjafjallajökull für unfreiwillig verlängerte Urlaube und verpasste Termine sorgte.

Erosion lässt Surtsey schrumpfen

Die neue Insel ist benannt nach Surtur, dem Feuerriesen der altnordischen Mythologie. Die vulkanische Aktivität in der Region hielt bis Anfang 1967 an, veränderte sich jedoch immer wieder. Als Surtsey zwischenzeitlich „fertig“ schien, entstanden nacheinander zwei weitere Inseln daneben, Syrtlingur und Jólnir, die aber schnell der Erosion durch See und Wind zum Opfer fielen. Surtsey hielt sich, durch die Lava, die das erste lose Material festhielt, und durch die in hartes Palagonitgestein umgewandelte Asche. Doch auch Surtsey schrumpft: Am Ende der Eruptionen war sie 2,7 Quadratkilometer groß, vor einigen Jahren wurde sie nun nur noch mit 1,3 Quadratkilometern gemessen. Die höchste Bergspitze war einmal 174 Meter hoch, die jüngste Angabe dazu ist 154 Meter.

Surtsey heute

Surtsey heute. Foto Feo Pitciarn, CC BY 2.0

Die Insel war schon 1965 unter Naturschutz gestellt worden. Die wissenschaftlichen Ergebnisse sammelt die Surtsey-Forschungsgesellschaft. Der Abstand zur Insel Heimaey beträgt 18 Kilometer, Islands Südküste ist 32 Kilometer entfernt. Wind, Meer und Vögel waren also gefragt, als es darum ging, Leben auf die leere Insel zu bringen. Als die Unesco Surtsey auf die Welterbe-Liste aufnahm, wurden bereits 60 verschiedene Gefäßpflanzen, 75 Moosarten, 71 Flechten und 24 verschiedene Pilze gezählt. Dazu kommen 89 Vogelarten und 335 Wirbellose. Auch Seehunde nutzen die Insel gern.

Es gibt eine Reihe von Anekdoten zu Surtsey: So sollen als erstes drei französische Journalisten ihren Fuß auf die Insel gesetzt haben. Daraufhin beeilte sich Island offenbar, das neue Land für sich zu proklamieren. An das Betretungsverbot hielten sich auch nicht alle: Einmal sollen ein paar Jungs dort versucht haben, Kartoffeln anzupflanzen. Und dann war da noch die Tomate, die aus den Hinterlassenschaften eines Wissenschaftlers wuchs und beseitigt wurde. Neue Arten per Kot auf die Insel zu schleppen, ist nur Vögeln erlaubt.

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Das Video zeigt die zweite Phase der Entstehung von Surtsey samt der beiden Nachbarinseln, die es nicht mehr gibt.

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