Tschernobyl-Cäsium zerfällt – Rentierfleisch-Kontrolle soll auslaufen

Schweden/Norwegen/Finnland. Nach dem Reaktorunglück in Tschernobyl am 26. April 1986 zogen die radioaktiven Wolken nach Westen und Norden und regneten sich ab. Zu den Leidtragenden gehörten die Rentierhalter, denn das Fleisch der Tiere aus bestimmten Regionen war plötzlich nicht mehr verkäuflich. 35 Jahre später will die schwedische Lebensmittelbehörde die spezielle Überwachung des Renfleischs nun aufgeben – nur noch sehr selten seien Tiere zu stark mit Cäsium 137 belastet.

Rentiere

Die Radioaktivität der Rentiere hängt von Region, Jahreszeit und Futter ab.

Die Wolke aus Tschernobyl hinterließ im hohen Norden sehr ungleichmäßige Spuren. So hatten finnische Rentierhalter Glück, denn in Finnland regnete es nur weiter südlich. In Schweden traf es einen breiten Streifen im südlichen und mittleren Norrland, also von Gävle nordwärts inklusive Västerbotten. Auch in Norwegen traf es die Mitte des Landes, kaum den Norden. Das Cäsium 137 hält sich im Boden, die Rentiere nehmen es mit den Flechten oder auch mit den Pilzen auf. 2014 war in Norwegen ein gutes Pilzjahr – mit dem Erfolg, dass bei wilden Rentieren in  Jotunheimen extrem hohe Werte gemessen wurden. Auch in Elchfleisch, Wildschwein, Raubfischen und natürlich Pilzen kann es je nach Standort und Jahr noch zu erhöhten Werten kommen.

Letzte Cäsium-Grenzwertüberschreitung Saison 2016/2017

In Schweden wurden bisher alle Rentiere einzeln kontrolliert, die in bekannten belasteten Gebieten leben. In anderen gab es Stichproben. Dabei arbeiteten Lebensmittelbehörde, Sameting und die Landwirtschaftsuniversität (SLU) zusammen. Laut dem aktuellen Antrag des Lebensmittelbehörde wurden zum letzten Mal in der Saison 2016/2017 sechs Tiere (von 59121) wegen zu hoher Radioaktivität nicht zum Verzehr zugelassen. Insgesamt sinkt die Radioaktivität, die Halbwertszeit von Cäsium 137 beträgt 30 Jahre. Die betroffenen Samebyar können die Radioaktivität ihrer Tiere außerdem teilweise beeinflussen, indem sie zeitweise unbelastetes Stützfutter geben. Die Behörde schlägt vor, dass die Überwachung der Radioaktivität zukünftig gemeinsam mit den sonstigen Kontrollen durchgeführt wird. Es gebe heute nur noch ein geringes Risiko, mit dem Rentierfleisch zu viel Cäsium aufzunehmen, so eine Behördenvertreterin gegenüber Sveriges Radio.

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