Schmelzende Gletscher: Spitzbergen hebt sich immer schneller

Spitzbergen (Norwegen). Wenn Gletscher schmelzen, wird ihr Druck auf das Land darunter weniger. Das Land steigt aus dem Erdmantel wieder auf nach oben – ein bekanntes Prinzip. Messungen mit neuester Technik dokumentieren diese Veränderungen auch auf Spitzbergen. Es lassen sich sowohl die saisonalen Veränderungen als auch eine generelle Tendenz feststellen. Wenig verwunderlich: Spitzbergen hebt sich heute schneller als vor 20 Jahren,  berichtet NRK.

Spitzbergen

Noch gibt es Eis auf Spitzbergen – doch es wird wärmer. Foto Thomas Christiansen

Geologische Prozesse können sehr langsam sein und sehr lange dauern. So hebt sich der nördliche Ostseeraum immer noch mit einigen Millimetern pro Jahr, obwohl das letzte Eis dort vor 10 000 Jahren verschwunden ist. Drei Kilometer dick lag der Eispanzer einst auf der Kvarken-Region und der Bottenwiek und hatte die Erdkruste damals tief in den flüssigen Mantel gedrückt.

Spitzbergen hat immer noch Gletscher, doch sie schrumpfen: saisonal und in der Tendenz aufgrund des Klimawandels. Um dies genau verfolgen zu können, wurden Zeitserien von sieben Satellitenmesspunkten und einem Interferometer analysiert. Dazu musste das Team um Kartograph Halfdan Kierulf erst einmal eine Methode entwickeln, um störende Daten, die aufgrund der verschiedenen Messtechniken entstanden, herauszufiltern. Die wissenschaftliche Studie dazu ist im Geophysical Journal International erschienen, „Seasonal glacier and snow loading in Svalbard recovered from geodetic observations“.

Weniger Druck auf Erdkruste

Am stärksten ist die Bewegung direkt an den Gletschern. So hebt sich Ny Ålesund im Laufe der Schmelzsaison fast einen Zentimeter – und sinkt dann im Winter, wenn der Gletscher wieder zulegt, langsam zurück. Weiter weg von der Gletscherzunge ist die saisonale Schwankung nicht so groß. Doch es geht nie wieder so tief wie zum Anfang. Die Gletscher verlieren insgesamt an Masse. Als die Messungen 1994 in Ny Ålesund starteten, betrug die jährliche Hebung noch 4 Millimeter. Im Jahr 2000 waren es schon 6 Millimeter, vergangenes Jahr 12 Millimeter – ein deutliches Zeichen dafür, dass die Landmasse immer weniger Druck durch das Gewicht der Gletscher hat. 

Klimawandel auf Spitzbergen schon deutlich sichtbar

Andere Teile der Welt sind von dem Schmelzwasser bedroht, das den Meeresspiegel steigen lässt. Dieses Problem hat Spitzbergen durch die Landhebung weniger. Doch Spitzbergen gehört zu den Orten, wo die Veränderungen auch jenseits der Gletscher schon sehr sichtbar sind, unter anderem am weichenden Permafrost, mehr Regen, erhöhter Lawinentätigkeit und weniger Meereis.

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