Pomorhandel heute: Vardø feiert mit russischen Künstlern

Vardø (Norwegen). Gestern begann im nordnorwegischen Vardø das jährliche Pomorfestival. Es knüpft an an den sogenannten Pomorhandel des 18. und 19. Jahrhunderts –  der Tausch von norwegischem Fisch gegen russisches Mehl. Beim Festival gibt es zwar auch kulinarische Angebote, im Zentrum stehen jedoch Musik und Vorführungen von norwegischen und russischen Künstlern.

Vardö

Vardø. Foto Dagmar Hemmie

Schon die Wikinger trieben Handel mit Russland. Der „Pomorhandel“ bezeichnet eine spezielle Verbindung zwischen Nordnorwegen und Nordwestrussland:  Pomoren wurden die russischen Siedler rund um das Gebiet am Weißen Meer genannt – nach dem russischen по море (po more) – am Meer. Sie kamen mit Schiffen in die nordnorwegischen Fjorde und boten, was dort zu der Zeit schwer zu bekommen war: Getreideprodukte, vor allem Roggenmehl, aber auch andere Waren. Die tauschten sie gegen norwegischen Fisch ein. Die Tage wurden auch von Festen begleitet. Zentrum dieses Handels wurde Norwegens östlichster Ort Vardø.

Der Handel mit den Pomoren war ein wichtiger Faktor für die Bevölkerung Nordnorwegens, insbesondere in Jahren mit  Missernten oder Kriegen und wenn die Versorgung aus dem Süden nicht funktionierte. Zu den Hochzeiten im 19. Jahrhundert kamen rund 300 russische Schiffe jährlich nach Nordnorwegen.

Pomorhandel

Pomorhandel: Seefahrer vom Weißen Meer segelten nach Vardø in Nordnorwegen und auch weiter westlich. Karte mit Hilfe von stepmap

Die engen Handelsbeziehungen schufen eine eigene Mischsprache mit einfacher Grammatik zur Verständigung, die auf Norwegisch „Russenorsk“ oder „moja på tvoja“ -Spache genannt wird. Die Vokabeln stammten hauptsächlich aus dem Russischen und Norwegischen, aber auch aus dem Samischen und mitteleuropäischen Handelssprachen. Sie wird heute nirgendwo mehr gesprochen, aber es gibt schriftliche Zeugnisse, anhand derer man sie studieren kann. Der Pomorhandel endete nach der russischen Revolution 1917 und der folgenden Verstaatlichungen.

Nach Ende des Kalten Krieges knüpfte Norwegen neue Beziehungen zum Nachbarn im Osten. Der jüngst verstorbene Thorvald Stoltenberg stieß als Außenminister 1993 die Zusammenarbeit in Barentsregion an. Vardø hatte bereits 1991 mit den „Pomortagen“ begonnen. Inzwischen geht es nicht mehr um Mehl und Fisch, wenn russische Händler und Künstler in die Stadt kommen, sondern um Austausch und Erlebnisse – das ganze Programm des diesjährigen Festivals, das noch bis Sonntag geht, gibt es beim Veranstalter Kulturpilot. Seit 2005 kann man sich außerdem im Pomormuseum direkt am Hurtigruten-Anleger in Vardø über die Pomoren und den Pomorhandel informieren. Zum Pomorfestival 2016 schufen Künstler aus Archangelsk „Drakkar“ – eine spektakuläre Holzinstallation mit Elementen eines Wikingerschiffes, eines Dinosaurier und eines Wals. Man kann sie bis heute dort besichtigen.

So entstand Drakkar:

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