Mo i Rana ist die Stadt der Höhlen – mit und ohne Wasser

Norwegen. In der Gemeinde Rana knapp unterhalb des Polarkreises gibt es mehr als 200 Höhlen. Visit Plura in Mo i Rana möchte diese nun stärker vermarkten und Norwegens „Grotteby“ werden, wie NRK berichtet. Im Fokus ist dabei auch das wassergefüllte Pluragrotta-System. Dieses ist geologisch besonders reizvoll – aber nicht ohne Risiko.

Höhle

Grønligrotta. Foto David Völgyes/ CC By-SA 20

Sehr bekannt sind Grønligrotta und Setergrotta – beides große Kalksteinsysteme, die man sicher durchwandern kann, mit Marmorformationen, Stalagmiten und Stalaktiten, großen Hallen und unterirdischen Gewässern. In der Grønligrotta ist sogar elektrisches Licht verlegt. Zurzeit werden regelmäßige Führungen nur im Sommer angeboten.

Als  Pluragrotta wird der erforschte Teil des 3,8 Kilometer langen unterirdischen Flusslaufs des Plura bezeichnet.  Der Fluss entstammt dem See Kallvattnet. Früher hatte er starke Strömung, doch seit 1968 ein Staudamm am See gebaut wurde, sind Wassermenge und Strömung deutlich reduziert und es wurde möglich, in der Höhle zu tauchen. Sie ist unter Tauchern inzwischen sehr beliebt.

Visit Plura bewirbt die Höhle nun beispielsweise in diesem Video als Tauchmöglichkeit für das ganze Jahr mit kristallklarem Wasser. Der Eingang befindet sich unter Wasser, aber nach 450 Metern kommt eine Luftkammer, die keine Verbindung zur Außenwelt hat, wie auch beispielsweise dieses Video von einem Tauchgang Ostern 2018 zeigt.  Insbesondere diesen ersten, vergleichsweise einfachen Teil mit bis zu 30 Metern Tiefe dürfte die Vertreterin von Visit Plura  im Sinn haben, wenn sie Mo i Rana zu Norwegens Höhlenstadt machen will.

Das Tauchunglück, das zum Film wurde

Mo i Rana

Höhlenstadt Mo i Rana knapp südlich des Polarkreises. Karte mit Hilfe von stepmap

Denn der Gang hinter der Luftkammer, der bis zu 132 Meter abfällt, bevor er wieder hinauf geht zur Wasseroberfläche, ist streckenweise eng und erfordert besondere Kenntnisse (Querschnitt hier). Vor vier Jahren starben dort zwei finnische Taucher, die zunächst auch von Experten nicht geborgen werden konnten. Der eine klemmte auf 130 Metern Tiefe, sein Partner konnte ihn nicht befreien. Ein zweiter Taucher aus der fünfköpfigen Gruppe bekam Probleme mit seinem Rebreather, der Reserve-Sauerstoff reichte nicht. Er starb ebenfalls tief unten.

Nachdem das Risiko einer Bergung selbst für Spezialisten zu groß schien, wurde die Höhle zunächst gesperrt. Eine Gruppe von finnischen Tauchern ging trotzdem hinein – um ihre Kameraden herauszuholen. Die Aktion war gut geplant und gelang. Hinterher meldeten sie sich bei der Polizei. Das Unglück und der Rettungsversuch sind auch Thema des Dokumentarfilms „Diving into the Unknown“ von Juan Reina. Eigentlich hatte es ein Film über einen Rekordversuch werden sollen.

Visit Plura möchte nun einerseits noch mehr Taucher in die Höhle locken, andererseits den Betrieb professionalisieren und kontrollieren – so dass nur zertifizierte Höhlentaucher hineinkämen und die ohne ausreichende Erfahrung gestoppt werden könnten.

Hier der Trailer von „Diving into the Unknown“ mit Szenen aus der Pluragrotta:

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