Íslandsbanki-Anteile verkauft – Isländer protestieren gegen Verfahren

Island. Die Íslandsbanki ist in der Diskussion – nicht wegen ihrer finanziellen Lage, sondern weil der isländische Staat 22,5 Prozent davon auf intransparente Weise verkauft hat. Bei den Isländern kamen da offensichtlich schlechte Erinnerungen hoch: Mehrere Hundert protestierten gestern vor dem Parlament, berichtete RÚV.

Reykjavik

Zurück zur Zeit der Wikinger-Banker?

Im Zuge der Finanzkrise 2008 wurde Íslandsbanki verstaatlicht und so vor der Pleite gerettet. Vor der Übernahme trug sie zeitweise den Namen Glitnir, seit 2009 heißt sie wieder Íslandsbanki. Die staatseigenen Banken werden von Bankasýsla Ríkisins verwaltet. Diese Einrichtung untersteht dem Finanzministerium. Im Vorjahr hatte der Staat bereits 35 Prozent seiner Anteile verkauft. Damals war das Verfahren transparent und es gab keine Proteste.

Im März 2022 wurden nun weitere 22,5 Prozent verkauft. Diesmal an einen ausgewählten Kreis von Investoren. Es bleibt unklar, wie diese Käuferschar zusammenkam, und es war anfangs unklar, wer die Käufer waren. Inzwischen ist die Liste der Käufer veröffentlicht worden, was die kritischen Stimmen nicht beruhigt hat. Þorsteinn Már Baldvinsson ist beispielsweise ein ehemaliger Vorsitzender von Glitnir, heute Geschäftsführer des Fischereiunternehmens Samherji und zuletzt im Rahmen der Fishrot Files unter Verdacht geraten. Auch der Vater des Finanzministers Bjarni Benediktsson gehört dazu. Die Aktie ging in die Höhe. Wie sich inzwischen herausstellte, haben mehrere Käufer die Gewinne gerne mitgenommen und schon verkauft. 42,5 Prozent gehören noch dem isländischen Staat.

Intransparenz und Subvention

Die Kritik der Bürger sowie selbst von Regierungsmitgliedern richtet sich zum einen gegen die Intransparenz des Verkaufsprozesses, aber auch dagegen, dass die Käufer die Aktien günstiger bekamen, wodurch der Staat diesen Verkauf praktisch subventionierte. Der isländische Rechnungshof hat eine Untersuchung gegen die Bank angekündigt, ebenso wie die Zentralbank. Es ist öffentlich nicht kommuniziert worden, ob es einen bestimmten Verdacht gibt.

Die „Kreppa“

Die Finanzkrise 2008 hatte Island hart getroffen. Die Banken waren 2001 dereguliert worden, mithilfe von Auslandskrediten waren ihre Geschäfte mächtig gewachsen – der Zusammenbruch umso härter. Er riss die gesamte isländische Wirtschaft mit. Die Menschen verloren Ersparnisse und Arbeitsplätze. Diese Phase heißt auf Island „kreppa“. Die Bürger machten die Politik ihrer Regierung mit verantwortlich für die Situation. Sie demonstrierten lautstark vor dem Parlament, Premierminister Geir Haarde musste schließlich zurücktreten.

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