Island erwartet Gletscherlauf am Fluss Skaftá

Island. Reisende sollten das Tal des Flusses Skaftá in Südisland in den nächsten Tagen meiden. Dort wird ein Gletscherlauf erwartet, also extreme Mengen Schmelzwasser, die den Fluss breit und reißend machen und Schäden verursachen können. Das Wasser stammt von einem geothermischen Gebiet (den sogenannten Skaftárkatlar) unter dem Vatnajökull. Das Meteorologische Institut (Veðurstofa Íslands) hat eine Warnung dazu herausgegeben.

Skaftákatlar

Lage der beiden Skaftár-Kessel unter dem Vatnajökull und ihr Abfluss. Grafik Veðurstofa Íslands

GPS-Messungen der Wissenschaftler haben gezeigt, dass die Eisdecke über dem Östlichen Skaftá-Kessel sinkt – was ein frühes Zeichen dafür ist, dass dort Wasser abfließt. Zurzeit noch unter dem Vatnajökull, spätestens morgen vor allem über den Fluss Skaftá. Die erste Meßstation ist am Sveinstindur, bis zur Ringstraße im Süden dauert es etwa zwölf Stunden. Außer viel Wasser werden auch Emissionen von Schwefelwasserstoff erwartet, vor allem am Rand des Skaftárjökull.  Der Höhepunkt des Gletscherlaufs ist voraussichtlich am Sonntagmorgen.

Die beiden Skaftár-Kessel entleeren sich seit mehr als 60 Jahren regelmäßig alle ein bis drei Jahre, wenn die Wasserblase unter dem Gletscher zu groß geworden ist. Der östliche ist der größere Kessel. Wissenschaftler merken dies daran, dass das Wasser die Eisdecke zunächst hebt und dann, wenn es abfließt, wieder sinken lässt. Dann wird auch das Eis brüchig – Gletscherwanderer auf dem Vatnajökull sollten das Gebiet der Kessel meiden.

Der letzte große Gletscherlauf am Skaftá war 2015.  Im Jahr 2016 gab es noch einen kleineren Lauf. Das aktuelle Ereignis wird rund um die Uhr überwacht. Es könne passieren, dass Straßen in der Nähe des Flusses überflutet werden, warnt Veðurstofa. Dass es durch den Gletscherlauf zu einem Problem an der Ringstraße kommt, hielt eine Wissenschaftlerin im Interview mit RÚV aber für weniger wahrscheinlich.

Skaftárjökull im Südwesten des Vatnajökull ist nicht zu verwechseln mit dem Skaftafellsjökull im Süden, der auch dem dortigen Nationalpark-Zentrum seinen Namen gab.

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