Gutes Jahr für Papageitaucher auf Island

Island. Es gibt gute und schlechte Nachrichten von den Papageitauchern. Die gute: Der diesjährige Nachwuchs scheint richtig kräftig zu sein. Das legen Funde auf den Westmännerinseln nahe. Die schlechte: Kaum ein Papageitauchernest ist noch plastikfrei. 

Papageientaucher

Papageitaucher. Foto Jan Steffen

Mitte August ist auf den Westmännerinseln“Pysjueftirlitið“ voll im Gang. Dahinter verbirgt sich: Kinder (und Erwachsene) halten Ausschau nach jungen Papageitauchern, isländisch pysja,die auf ihrem ersten Flug nicht im Wasser gelandet sind, sondern in der Straßen von Heimaey. Die Jungvögel werden eingesammelt, gewogen (normalerweise in einer Station), bei Bedarf aufgepäppelt und ansonsten an aussichtsreicher Stelle wieder freigelassen. Jedes Jahr verirren sich mehrere Tausend Jungvögel auf dem Weg zum Meer in den Ort.  Da der Bestand der Papageitaucher weltweit sinkt, ist „Pysjueftirlitið“ tatkräftige Hilfe und gleichzeitig die perfekte Gelegenheit für Wissenschaftler, Daten zum Zustand des Nachwuchses zu gewinnen.

Kräftige Jungvögel

In diesem Jahr haben sie Anlass zur Freude, wie RÚV und Iceland Review berichten: Der erste Jungvogel hatte 359 Gramm und gab damit schon einmal einen Vorgeschmack auf das diesjährige hohe Durchschnittsgewicht. Inzwischen sind laut der offiziellen Seite lundi.is 2770 junge Vögel gefunden und registriert worden, gut 1600 davon wurden gewogen. Das Durchschnittsgewicht beträgt bis jetzt 321 Gramm, der schwerste Vogel brachte es sogar auf 462 Gramm. Ein Jungvogel mit 350 Gramm habe fünf Mal größere Chancen, den ersten Winter zu überleben als einer mit nur 250 Gramm, so Erpur Snær Hansen vom Naturforschungszentrum Südisland zu Iceland Review. Nicht nur das Gewicht, auch die Menge der jungen Papageitaucher stimmten ihn optimistisch. Allein auf den Westmännerinseln sind es rund 700 000 Vögel, noch dazu zu einem großen Teil kräftige Tiere. Auch im Rest des Landes sehe es gut aus. Die Ursache: In diesem Jahr gab es wieder ein gutes Nahrungsangebot an Sandaal und Krill vor der isländischen Küste. Zuletzt hatte die Lieblingsnahrung der Papageitaucher immer wieder einen anderen Weg genommen, weil es vor der Küste zu warm war. Der größte Teil des Bestandes kommt zum Brüten nach Island.

Plastik im Nest

Der Papageitaucher, isländisch lundi, gehört zu den Tieren, die durch einen wärmeren Ozean bedroht sind, weil dann seine Nahrung wegfällt – und dieser Gefahr ist durch einzelne gute Jahre nicht gebannt.  Eine große Studie zur Verschmutzung von Seevögel-Nestern machte noch einen anderen beunruhigenden Fund: Papageitaucher-Nester enthielten mehr Plastik als die anderer Seevögel. In nur drei der untersuchten Papageitaucher- Nester gab es überhaupt kein Plastik.

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