Fokus auf Nornickel bringt noch mehr Verschmutzung ans Licht

Russland. Fünf Wochen nach dem Diesel-Unfall in Norilsk, Sibirien, ist der Großteil der Rettungskräfte wieder abgezogen. Verursacher Nornickel erwartet jetzt eine riesige Rechnung. Und hat neuen Ärger: Umweltschützer entdeckten, dass Nornickel auch absichtlich verschmutztes Wasser in Flüsse leitete.

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Aufräumarbeiten in Norilsk. Foto morspas.com

Fast 33 000 Kubikmeter Ölprodukte wurden innerhalb von knapp drei Wochen aufgesammelt sowie verseuchter Boden abgetragen und sicher gelagert. Vor Ort sind nun noch  20 Leute der russischen Seenotrettung (Morskaja Spasatelnaja Sluschba, Morspas) die den Polartag nutzen und in Zwölf-Stunden-Schichten die Restarbeiten erledigen, soweit das eben geht. Schließlich ist das Land größtenteils sumpfig und unzugänglich. Morspas hat angekündigt, dass sie noch bis zum 1. Oktober bleiben werden.

Laut Nornickel sind 90 Prozent der Verschmutzung entfernt worden. Das bezweifelt Wladimir Tschuprow, Projektleiter von Greenpeace Russland. Seiner Erfahrung nach könnten bei einer Verschmutzung dieser Art nur etwa 10 Prozent beseitigt werden.

Nicht nur tauender Permafrost schuld

Der Bergbauriese und Industriegigant Nornickel hatte die Ursache des Dieselunfalls damit begründet, dass der Permafrost darunter getaut und die Stützen plötzlich abgesunken seien. Nun ist bekannt, dass der Permafrost in Sibirien taut, aber nicht erst seit gestern. Russlands Präsident Wladimir Putin warf Nornickel-Chef Wladimir Potanin persönlich in einer Fernsehsendung vor, die Wartung vernachlässigt zu haben. Für Kritik sorgte außerdem, dass der Unfall tagelang vertuscht wurde. Es wurden bisher drei Leute festgenommen. Nornickel-Besitzer Potanin sicherte öffentlich zu, alle Kosten der Aufräumaktion zu decken. Die Rede ist von 148 Milliarden Rubel (etwa 1,8 Milliarden Euro).

Nornickel: „Katastrophe jeden Tag“

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Rettungskräfte bei Aufräumarbeiten in Norilsk. Foto morspas.com

Der Unfall war Anlass für Umweltschützer und Medien, in Norilsk genauer nachzusehen. So war der Unfall keineswegs der erste, nur der größte. „Katastrophe jeden Tag. Warum die 10 Milliarden von Potanin Norilsk nicht retten“ titelte beispielsweise Nowaja Gaseta. Und gemeinsam mit Umweltaktivisten fanden Nowaja Gaseta-Reporter auch einen ganz aktuellen Fall von Einleitung schmutziger Industrieabwässer in die Umgebung. Beim Versuch, Wasser- und Bodenproben aus der Region ins Labor bringen zu lassen, wurde ein Moskauer Stadtabgeordneter am Flughafen gestoppt, die Proben wurden ihm abgenommen. Auch der Flughafen in Norilsk, so das Fazit der Reporter, ist in der Hand von Nornickel.

Anlagen wegen Mängeln stillgelegt

Bisher, so legen diese Veröffentlichungen nahe, konnte sich Nornickel  praktisch alles erlauben. Es wird sich zeigen, inwieweit die russischen Behörden jetzt bereit sind, Grenzen zu setzen. Die Aufsichtsbehörde Rostechnadsor hat vergangene Woche Anlagen von Nornickel und seiner Tochtergesellschaft in der Region um Norilsk und Dudinka inspiziert und sechs davon wegen massiver Sicherheitsmängel für 90 Tage stillgelegt.

(Weitere Quellen: polarjournal, WWF Russland, Arctic Today)

Früherer Artikel zum Thema:20 000 Tonnen Diesel ausgelaufen – tauender Permafrost schuld?

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