Energie vom Gezeiten-Drachen für die Färöer

Färöer. Es sieht aus wie eine Art Unterwasser-Kite mit Turbine und ist eine der zukünftigen Stromquellen der Färöer. Das erste Exemplar soll voraussichtlich Ende kommenden Jahres im Vestmannasund installiert werden. Das gaben nun der färöische Energieversorger SEV und der schwedische Entwickler Minesto bekannt.

Färöer

Welches Wetter auch immer herrscht: Die Gezeiten könnten die Färöer zuverlässig mit Strom versorgen. Im Bild Gøtuvik, Eysturoy. Foto Jan Steffen

Die Energie für die rund 51 000 Färinger auf 17 Inseln muss vor Ort erzeugt werden – eine Leitung zum Kontinent gibt es nicht. Der aktuelle Energiemix besteht laut SEV aus 17 Prozent Wasserkraft (sechs Anlagen), 26 Prozent Windkraft und 58 Prozent Öl (nach Tagesbedingung veränderlich). SEV will die Versorgung bis 2030 komplett aus erneuerbaren Quellen sicherstellen können. Ein Baustein dazu ist der Deal mit dem Minesto, ein Spin-Off von Saab. Die Firma hat ihre Entwicklung „Deep Green“ bisher mit fünf Prototypen verschiedener Größe getestet. Das erste kommerzielle Projekt entsteht gerade vor Wales im Holyhead Deep, der erste Test mit dem Modell wurde erfolgreich abgeschlossen.

Gezeiten sind zuverlässig berechenbar

Und so soll es funktionieren: Das Kite-förmige Objekt mit eine Spannweite bis zu sechs Metern ist am Meeresboden befestigt. Durch seine Form steigt es in der Strömung auf und bewegt sich im Wasser, soweit das Verbindungskabel es zulässt. Es beschreibt eine Art Acht um seinen Fixpunkt – ähnlich wie ein moderner Drachen um seinen Besitzer. Die Bewegung durchs Wasser verstärkt noch die Strömung, die schließlich die Turbine unter der Tragfläche antreibt und Strom produziert. Dieser wird dann über das Kabel abgegeben und kann ins Netz eingespeist werden. Gezeitenströmungen wechseln zwar täglich zweimal die Richtung, sind aber zuverlässig berechenbar – und damit auch die Ausbeute des Unterwasser-Drachens. Der soll so tief unter Wasser fliegen, dass er den Bootsverkehr nicht stört. SEV hat zunächst zwei Einheiten des Typs DG100 bestellt, die bis 2020 installiert sein sollen. Das Projekt wird von Minesto, SEV sowie durch einen öffentlichen Zuschuss finanziert.

So sieht Deep Green aus:

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