Schwedisches Bestattungsbüro will Asche ins All schießen

Kiruna.  Ewige Ruhe im All? Das schwedische Bestattungsbüro Fenix Begravning warb damit, bald Weltraumbestattungen durchführen zu können. Wie sich auf Nachfrage von SVT zeigte, war die Ankündigung etwas verfrüht. Auf dem dafür angedachten Raketenstartplatz in Kiruna wusste man gar nichts davon.

Rakete

Esrange liegt zwar außerhalb von Kiruna.
Dieses Modell steht jedoch am Busbahnhof.

Nur sehr wenige Menschen haben zu ihren Lebzeiten die Gelegenheit, ins All zu fliegen. Dabei würden 35 Prozent der Deutschen dies gerne tun, wenn sie es sich denn leisten könnten, ergab 2014 eine Meinungsumfrage. Für die, die noch nicht da waren, ist der Himmel jedoch erst Recht ein symbolischer Ort der Sehnsucht. „Möchtest du ein Stern werden, wenn du stirbst?“, fragt Fenix auf seiner Internetseite.

Das Angebot war allerdings erst angekündigt, noch nicht buchbar. Wie sich auf Nachfrage der Journalisten beim Raketenstartplatz Esrange  (European Space and Sounding Rocket Range) in Kiruna zeigte, hatte es noch keine abschließenden Verhandlungen dazu gegeben. Auf der Internetseite des Esrange-Betreibers, der Swedish Space Cooperation, heißt es, man bestätige, dass man deshalb in Kontakt gewesen sei. Ein Angebot wie dieses wecke jedoch viele Fragen und man müsse sorgfältig prüfen, ob es machbar und angemessen sei.

Die Fenix-Geschäftsführerin Charlotte Runius räumte auch ein, dass es noch keine Verträge gebe. Die Werbung für das Modell „Rest in Space“ ließen es konkreter wirken, als es war. Inzwischen ist die Internetseite geändert worden. Im Interview mit SVT zeigte sich die Geschäftsführerin allerdings überzeugt davon, dass die Idee im kommenden Jahr umsetzbar sei – und sie sei mit mehreren Optionen, auch außerhalb Schwedens, in Kontakt.

Erster Asche-Raumflug 1997

Charlotte Runius ist allerdings nicht die Erste mit dieser Idee. Zum ersten Mal wurde 1997 die Asche von 24 Verstorbenen als sekundäre Nutzlast ins All geflogen,  vom amerikanischen Weltraumunternehmen Celestis. Zu diesen Pionieren posthum gehörten der Star-Trak- Schöpfer Gene Roddenberry und Timothy Leary. Weil es extrem teuer ist, jegliche Art von Gewicht ins All zu bringen, werden jeweils nur symbolische Portionen der Asche eingekapselt. Die Asche wird auch nicht im Weltraum verstreut, wie Runius es plant. Sie kommt entweder nach erledigter Mission der Rakete – die Asche ist schließlich nicht Hauptzweck des Fluges – wieder zurück zur Erde und wird den Angehörigen ausgehändigt. Bei anderen Modellen verglüht sie beim Wiedereintritt in die Atmosphäre. Man kann die Kapsel auch auf dem Mond abladen lassen. Oder sie ist tatsächlich unendlich unterwegs. Seit neuestem können auch noch Lebende ihre DNA ins All schicken. Inzwischen gibt es noch mindestens eine weitere amerikanische und eine englische Firma, die ähnliche Modelle anbieten.

Der Raketenstartplatz Esrange bei Kiruna ist eine rein zivile Einrichtung, die vom Swedish Space Center betrieben wird. Dort starten Forschungsballons und Höhenraketen und es werden Satelliten überwacht. Zurzeit wird geprüft, ob man von dort aus auch kleine Satelliten in die Umlaufbahn befördern könnte, wie Space News berichtet. Möglicherweise kommt eine zusätzliche Einkommensquelle wie Runius‘ Idee  ganz passend.

Literatur schneller als Realität

In der Literatur ist man ja immer viel schneller. Der erste, der einen Toten ins All schickte, war vermutliche der  amerikanische Science Fiction-Autor Neil R. Jones in „The Jameson Satellite“ 1931, inklusive Cyborg-Aliens. Der Brite Evelyn Waugh schrieb eine Satire über die amerikanische Begräbnisindustrie, “ The Loved One: An Anglo-American Tragedy“(1948) mit Raketenstart, die später sogar verfilmt wurde. Der Werbeslogan „Möchtest du ein Stern werden, wenn du stirbst?“ könnte aber auch direkt aus Andri Snær Magnasons „Love Star“ (2002) abgeschrieben sein. Dort treibt der Isländer nicht nur die Begräbnisindustrie in erstaunliche Dimensionen.

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