Bergbauschäden: Mehr Erdbeben in Malmberget

Malmberget (Schweden). Für die letzten Bewohner von Malmberget wird es langsam ungemütlich. Infrastruktur gibt es in dem Grubenort praktisch keine mehr – und die Erdbeben, verursacht von nachrutschenden Erdmassen, haben zugenommen. Das jüngste hatte sogar eine Stärke von 2,4.

Malmberget

Einsturzgefahr – mit dem großen Loch an zentraler Stelle lebte Malmberget seit Jahrzehnten.

Langjährige Bewohner von Malmberget sind es zwar gewohnt, dass man die Erde spürt. Jede Nacht zwischen 0 und 1 Uhr wird gesprengt, denn es braucht ein paar Stunden, bis die Grube danach wieder betreten werden darf. Außerdem „setzt“ sich der mit Hohlräumen durchzogene Boden immer wieder – 120 Jahren Erzabbau haben bereits deutliche Spuren hinterlassen. Diese Ereignisse haben zugenommen, berichtete nun SVT. Offiziell gemeldet werden solche, die stärker als 1,5 oder in anderer Weise besonders auffällig sind. 27 solche „seismischen Ereignisse“ listet das Bergbauunternehmen LKAB in Malmberget seit Jahresbeginn auf. Das heftigste war am 9. April und hatte eine Stärke von 2,4.

In fünf Jahren ist der Ort Malmberget verschwunden

Malmberget ist ein Ort in Auflösung: In den nächsten fünf Jahren werden auch die letzten Häuser dort verschwinden. Von dem Ort, der nach dem Erzberg benannt ist, wird nichts mehr übrig bleiben als das letzte Erz in der Tiefe. Stück für Stück werden Häuser abgerissen, rückt der Industriezaun vor. In der Mitte zwischen den Ortsteilen befindet sich schon seit Jahrzehnten ein riesiges Loch, das immer weiter wächst. Noch gibt es eine Grundschule in Malmberget Östra und eine Sporthalle. Der letzte Supermarkt hat bereits geschlossen.

Husflytt

Haus in Malmberget vor dem Umzug (Archivfoto)

Den Bewohnern werden neue Ersatzwohnungen oder Häuser im benachbarten Zentralort Gällivare oder im dörflicheren Koskullskulle angeboten. Einige ausgewählte Gebäude sind bereits komplett nach Koskullskulle umgezogen. In Gällivare  wird die Infrastruktur aufgerüstet, damit sie auch für die neuen Bewohner reicht – unter anderem mit einer neuen Schule, Bibliothek und Sportanlagen. Für die Kosten muss LKAB als Verursacher aufkommen.

Auch auf dieses Großprojekt wirkt sich die Corona-Krise aus: Viele Bauarbeiter in Gällivare kommen aus dem Ausland und können aktuell nicht nach Schweden reisen. Dadurch werde sich die Fertigstellung mehrerer Projekte verschieben, meldete jüngst SVT. Auch der Stadtumzug in Kiruna ist davon betroffen. In den Gruben von LKAB wird weiter gearbeitet, „solange es einen Markt gibt und wir Personal haben“, wie es in einer Pressemitteilung heißt – unter den notwendigen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz vor Ansteckung.

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