1. Mai: Neonazis demonstrieren in Nordschweden

Boden. Es waren nicht die traditionellen Fahnen, die am ersten Mai die meisten Emotionen in der Kleinstadt Boden hervorriefen. Zum ersten Mal „in moderner Zeit“, wie SVT es ausdrückte, demonstrierte eine Nazi-Organisation in Nordschweden: 100 -140 Mitglieder der „Nordiska Motståndsrörelsen“ waren dort auf der Straße. Zur Gegendemonstration waren laut SVT 1500 Leute gekommen, plus zwei traditionelle Mai-Züge.

Nordiska Motståndsrörelsen

Flagge der Nordiska Motståndsrörelsen. Grafik Dannis243/Wikimedia/CC BY-SA 4.0

Nordiska Motståndsrörelsen, kurz NMR, („Nordische Widerstandsbewegung“) ist eine rechtsextreme, nationalistische und antidemokratische Bewegung mit Mitgliedern in allen nordischen Ländern. Sveriges Radio zählte 2015 159 in Schweden, 70 in Finnland und 30 in Norwegen, von denen aber nicht alle offen auftreten. Auch in Dänemark gibt es welche und in Island wird rekrutiert. Ihr Symbol ist die Tyr-Rune (Pfeil nach oben) auf einer grün-weißen Fahne. In Schweden ist NMR  seit 2015 auch als Partei zugelassen. In Finnland wurde die NMR im November 2017 verboten, nachdem ein Mann in Helsinki von Mitgliedern misshandelt wurde und daran gestorben war. Die Gruppe hat allerdings Widerspruch eingelegt und darf bis zur endgültigen Gerichtsentscheidung weiter auftreten.

Drei NMR-Kandidaten für die nächste Kommunalwahl

Warum ausgerechnet Boden, ein Ort mit rund 17 000 Einwohnern nordwestlich von Luleå? Am 9. September werden in Schweden alle politischen Gremien neu gewählt – die lokalen ebenso wie auf Landesebene. NMR-Mitglied Bo Nilsson, 71, kandidiert in Boden für das kommunale Parlament. Ende der 1980er Jahre war Nilsson war Mitbegründer der rechten Sverigedemokraterna (Schwedendemokraten). Später wechselte er ins extremere Lager. Nilsson ist wegen mehrerer Gewaltverbrechen vorbestraft.

NMR-Kandidaten

Orte mit NMR-Kandidaten: Boden, Ludvika, Kungälv. Karte mit Hilfe von stepmap.

Gleichzeitig hatte NMR auch in Ludvika in Dalarna demonstriert (laut Sveriges Radio rund 300 NMR-Teilnehmer). Dort sitzt bereits NMR-Mitglied Per Öberg im örtlichen Parlament. Er war 2014 über eine offene Liste der Sverigedemokraterna hineingekommen und kandidiert im Herbst für die NMR. Auch in Ludvika gab es einen Gegendemonstration, mit der 93-jährigen Auschwitz-Überlebenden Hedi Fried.

Eine dritte Kandidatur ist für Kungälv (bei Göteborg) angekündigt. In Göteborg fand am 30. September 2017, zur Zeit der Buchmesse, eine Demonstration der NMR statt, was laut Nyheter 24 den „größten Einsatz der schwedischen Polizei seit zehn Jahren“ verursachte und große Teile der Stadt lahmlegte. Je nach Quelle waren 500 bis 700 Nazis unterwegs, die Gegendemonstranten übertrafen diese um ein mehrfaches. 35 Personen von beiden Seiten wurden festgenommen, darunter auch der NMR-Vorsitzende Simon Lindberg.

In Boden und Ludvika verliefen die Demonstrationen vergleichsweise friedlich. Anschließend zeigte die Polizei in Boden Bo Nilsson allerdings wegen „hets mot folkgrupp“ ( vergleichbar Volksverhetzung) an.

Die Wahrscheinlichkeit, dass einer der drei bei den Wahlen im September tatsächlich ein Mandat gewinnt, hält Kommentator Daniel Poohl von Expo im Übrigen für gering. Die Demonstration in Boden sei nur mit Hilfe zugereister Stockholmer zustande gekommen. Sie würden zwar Extremisten anziehen, könnten aber normale Leute nicht für sich gewinnen.

„Nordfrost“ gewinnt Markenstreit gegen „Nordfront“

Auf allen Bildern und Filmen der Demonstrationen sind NMR-Mitglieder mit Schutzschilden zu sehen, mit der Aufschrift Nordfront.se. Darunter findet man auch ihre Internetseite. „Nordfront“ hatten sie sich als Marke schützen lassen. Die schwedische Patentbehörde hob diesen Schutz im Juli 2017 teilweise auf. Denn eine norddeutsche Tiefkühl-Logistikfirma aus Schortens hatte wegen Verwechslungsgefahr geklagt – sie vermarktet ihre Produkte unter „Nordfrost“. Das Gericht gab ihr Recht. Die Nazis dürfen nun  „Nordfront“ nicht mehr auf Plakaten oder Werbung verwenden, allerdings noch auf unter anderem Kleidung.

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