Tiefe Minusgrade – aber kein Schlittschuhlaufen vor Luleå

Luleå/Piteå (Schweden). Der kalte Januar lässt nun auch Südschweden mal wieder Schlittschuh laufen. Doch die Bewohner von Luleå, die sonst den ganzen Winter eine Eisbahn vor der Tür haben, sehen diesmal in die Röhre – und den Nachbarn in Piteå geht es nicht anders. Schuld daran ist der viele Schnee.

Spaziergänger Gråsjälören

Spaziergänger auf dem Weg über das Eis nach Gråsjälören vor Luleå. Schlittschuhläufer müssen noch warten.

Stabiles Eis ist normalerweise in Nordschweden kein Problem. In Luleå, Piteå oder auch am Tavelsjön bei Umeå ist es irgendwann so dick, dass man mit schweren Traktoren darüber fahren und den Schnee wegräumen kann. In Luleå und Piteå organisieren das die Kommunen. So bekommen die Bürger eine Eisbahn, auf der sie nicht nur im Kreis fahren müssen. Dort kann sich jeder auf Kufen austoben – aber nicht in diesem Jahr. Das Eis ist zu dünn. Und das, obwohl nun schon seit Wochen zweistellige Minusgrade herrschen und die Bottenwiek insgesamt langsam zufriert.

Zu wenig Eis, zu viel Schnee

Die Situation hat eine Vorgeschichte – den warmen Dezember. Da froren die Buchten zwar schon einmal zu, doch dann wuchs das Eis nicht richtig. Statt dessen begann es zu schneien. Schnee isoliert das Eis – die Wärme des Wassers unter der Eisschicht kann dann nicht richtig in die Luft abgegeben werden und es wächst nur noch schlecht.

Traktor versunken

Kurz vor der Bergnäsbrücke in Luleå versank der 1,5-Tonnen-Traktor. Inzwischen ist er gehoben und das Loch wieder zugefroren.

Im Januar zogen dann mehrere Schneeunwetter über Schweden und die Küste Norrlands. Inzwischen liegt an der Küste fast überall mindestens ein halber Meter Schnee, in Piteå sogar 85 Zentimeter. Das Gewicht des Schnees belastet das Eis, sodass Wasser durch die Sprünge aufsteigt. Gleichzeitig hindert der Schnee das Eis weiter daran, zu wachsen.  Mitte Januar brach in Luleå ein leichter Traktor in das Eis ein, der Fahrer konnte sich trockenen Fußes retten. Inzwischen ist der Traktor auch wieder aus dem Fluss geborgen. Doch es hat weiter geschneit – und die Minusgrade kommen unter der Schneedecke nicht an. 

In Luleå ist die Strecke über das Eis mit Schneemobilen geplättet, sodass man dort immerhin um die Halbinsel herum und hinaus zur Insel Gråsjälören laufen kann. Für Spaziergänger, Ski- und Schneemobilfahrer reicht die Eisdicke, aber nicht für die schweren Traktoren. Auch in Piteå oder am Tavelsjön muss man zurzeit auf die Kufen verzichten.

Kalter Januar gleicht nicht warmen Dezember aus

Die Situation in Nordschweden zeigt, dass Durchschnittstemperaturen allein noch nicht so viel aussagen: Der warme Dezember und der kalte Januar gemeinsam würden einen durchschnittlichen Winter ergeben, aber das Resultat ist nicht dasselbe. Noch schlimmer als enttäuschte Schlittschuhfahrer traf es die vielen Elche, die das schlechte Eis im Inland auf ihren Wanderungen nicht hielt, und die dabei ertranken.

Auf der Ostsee wächst das Eis inzwischen weiter. Nun ist auch der schwedische Forschungseisbrecher Oden auf dem Weg in den Norden, um seine drei Kollegen dort zu unterstützen. Der kleine Ale fährt jetzt auf dem Vänern. Finnland schickt mit Sisu ebenfalls seinen vierten Eisbrecher in die nördliche Ostsee.

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Mehr zur Eisbahn in Luleå in früheren Jahren: Eiszeit in Luleå

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